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Der Verein Abacus fühlt sich als ein Ast am großen Baum der freimaurischen Ethik, den Grund Gedanken und Formen.

Besonders verpflichtet fühlt sich der Verein den Gründern und Gründerinnen von freimaurischen Organisationen die für niemand verschlossen sind, also weder für Frauen, noch für Menschen mit  afrikanischem oder asiatischen Aussehen und unabhängig der Zugehörigkeit zu einer oder keiner Religion. Z.B. den mehr als 80 Großlogen, die in der internationalen Konferenz CLIPSAS www.clipsas.com zusammen geschlossen sind.

Ebenso besonders verpflichtet und um die Pflege des Ansehens und dem Gedenkens bemüht, an die Großlogen der Freimaurer zur aufgehenden Sonne und der symbolischen Großloge von Deutschland

Anni Besant Gründerin der Großloge für Männer und Frauen Droit humain.

Maria Deraismes (1828-94) ist die Begründerin der modernen, gemischten Freimaurerei.

National- Großmeister der Großlogen FzaS  der symbolischen Großloge und dem Euckenbund

Prof. Wilhelm Ostwald           Dr. Rudolf Penzig                 Dr. Leo Müffelmann                Carl v. Ossietzky          Dr. Rudolf Eucken

Nobelpreistr. Physik          Gründer der Urania Stadtältester       flüchtere vor den Nazis    Friedensnobelpreisträger

PMH erste "schwarze" Loge   Kaiser Wilhelm 1      Plakat Großlogentag FzaS              Symbol "Droit Humain"   maskuline englische Loge

                      Friedensnobelpreisträger die Freimaurer waren

Marie Deraismes  betrieb autodidaktisch philosophische Studien und trat aufgrund ihrer starken rednerischen Begabung seit 1871 als Vorkämpferin für die französische Republik und die Demokratie auf. Ihr Lebensziel war die Emanzipation der Frauen. Sie gründete einige Frauenvereine, trat den Freidenkern bei und war eine Mitorganisatorin des ersten antiklerikalen Kongresses 1881.

Die reine Männerloge „Les libres Penseurs“ erklärte 1882 ihrer Großloge, dass sie unter anderem die Mitarbeit von Frauen am freimaurerischen Werk für notwendig halte, und bat um die Genehmigung, Frauen aufnehmen zu dürfen.

Trotz Ablehnung durch die Großloge, erklärte sich die Loge „Les libres Penseurs“ für unabhängig, beharrte auf ihrem Standpunkt und nahm Maria Deraismes aufgrund ihres öffentlichen Engagements auf. Nach energischen Protesten der Großloge wurde die Loge „Les libres Penseurs“ geschlossen. Im Jahr 1891 erklärte der französische Senator Georges Martin derselben Großloge mit, dass seine Loge „La Jerusalem Ecossaise“ die Absicht habe, eine gemischte Loge namens „Droit Humain“ zu gründen. Die Großloge lehnte erneut ab. Dennoch konstituierte sich am 14. März 1893 die gemischte Loge „Droit Humain“, in der 16 Frauen in die Freimaurerei aufgenommen wurden. Georges Martin wurde ebenfalls Mitglied der neuen Loge. Am 4. April gleichen Jahres wurde die neue symbolische schottische Großloge „Le Droit Humain“ gegründet.

Damit tat die gemischte Freimaurerei genau das, was im Jahre 1717 eine andere freimaurerische Institution, die Londoner Großloge getan hatte: Sie gab sich einen organisatorischen Rahmen ohne irgendjemanden um Zustimmung oder nach Berechtigung zu fragen und legte damit den Grundstein zur Verbreitung der gemischten Freimaurerei in der ganzen Welt.

Die gemischte Freimaurerei war im Gegensatz zu vielen reinen Männerlogen dieser Zeit offen für Menschen aller Rassen, Religionen und Nationen.

Die weltweite Verbreitung der gemischten Freimaurerei geschah seit 1902 vor allem auf Veranlassung der englischen Frauenrechtlerin und Theosophin Annie Besant, die in Großbritannien und im gesamten britischen Empire Logen gründete. Die Beziehungen zur Theosophie wurden zeitweise sehr rege, die Änhängerschaft der gemischten Freimaurerei breitete sich insbesondere stark unter den Anhängern der Theosophen aus. Professor A. Muzarelli, ein französischer Sprachlehrer in New York verbreitete die gemischte Freimaurerei in den USA.

Zwischen den Zielen der gemischten Freimaurerei und der Theosophie bestanden einige Gemeinsamkeiten.

Das neunzehnte Jahrhundert ist das Jahrhundert der Freigeister und Dissidenten in Deutschland. Dies wirkt sich auch aus auf die Weltanschauung der Freimaurer, die sich bis dahin zum Großteil dem Evangelium der christlichen Religion engstens verbunden gefühlt hatten.

Auf dem Höhepunkt freigeistiger Bewegungen beginnt um das Jahr 1906 ein wenig bekanntes Mitglied der nicht anerkannten Münchener Loge Zur Leuchte, Karl Heinrich Loeberich, von Nürnberg aus in Deutschland Logen zu gründen. Schon ein Jahr zuvor hatte er die Satzung zu einer Großloge auf freireligiöser Grundlage entworfen. 

Sie wurde zur Basis des Freimaurerbundes zur aufgehenden Sonne. Eigentlich war es Loeberichs Ziel, der Freidenkervereinigung im Besonderen zu dienen, aber am Ende seiner Geschäftigkeit mündete die allgemeine Idee des Freidenkervereinigung in die Gründung eines Freimaurerbundes, dessen ideologischer Überbau eine vollkommen religionslose, monistische Weltanschauung sein sollte. Loeberich be- zeichnete die von ihm gegründeten Logen als Reformlogen, um ihre Distanz zu überkommenen Formen des Freimaurertums kenntlich zu machen. Sein Freimaurerbund zur aufgehenden Sonne wollte, wie das Programm verrät, „ein Bund von Frei- maurerreformlogen für freie Männer von gutem Rufe (sein), die in der Erkenntnis der Entwicklung alles Seienden die Anerkennung dogmatischer Begriffe ablehnen und der Unduldsamkeit die Gefolgschaft verweigern, dagegen ‚Toleranz und Gerechtigkeit' pflegen und üben"

1. Der Bund sah ein „vereinfachtes Ritual" vor und wollte einerseits an den alten Idealen des Bruderbundes festhalten sowie andererseits das

„Gute, Wahre und Schöne im sozialen Leben, in Wissenschaft und Kunst fördern, mitarbeiten an der Verbreitung einer auf natürlicher Grundlage beruhenden Ethik, und helfen einer

freien aufgeklärte Weltanschauung Bahn zu brechen, die keinen Eingriff übernatürlicher Mächte kennt.

Loeberichs Gründungen hatten zunächst Erfolg, nicht zuletzt wegen ihrer ausgesprochen monistischen Grundlage, die sich der Symbiose von Aufklärung, Wissenschaft und Religion verdankte. Der Monismus um das Jahr 1900 ist eine auf naturwissenschaftlicher Grundlage errichtete philosophische Weltanschauung mit betont unakademischer und antiklerikaler Ausrichtung, die für ein paar Jahrzehnte enorme Breitenwirkung und ein buntes Spektrum an Anhängern gewonnen hatte. Monismus reagierte auf einen Tiefstand der akademischen Philosophie und deren Unempfindsamkeit für die Frage der gebildeten Öffentlichkeit nach Entschädigung für die in der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts verlorengegangene Religion. Die monistische Lehre hatte keine einheitliche Ausprägung. Vielmehr fanden sich in ihrem Einflussbereich neben den Begründern, dem Biologen und Arzt Ernst Haeckel (1834- 1919), sowie dem Chemiker und Nobelpreisträger Wilhelm Ostwald (1853-1932), auch Gelehrte wie Ludwig Büchner (1824-1899), Bruder des bekannteren Dichters Georg und Verfasser populärwissenschaftlicher Schriften wie Kraft und Stoff und Arthur Drews (1865-1935), der in den Jahren nach 1910 mit seiner Cristusmythe „tiefe Erschütterung des Fundaments der Kirche, namentlich aber des Jesuanertums der liberalen Theologie" bewirkte. Sogar der diesen Denkern fernstehende Spiritualismus

steht gleichermaßen durch den Dunst akademischer Philosophie wie durch den Rauch katholischer Orthodoxie unter Beschuss. Die einen, namentlich Ernst Adickes (1866-1928) und der Neukantianismus, behaupten: „Er (Haeckel) ist in Wirklichkeit Atheist und Materialist, und der Materialismus kann mit aller Strenge als Höhepunkt der Absurdität erwiesen und - widerlegt werden" ; die anderen, der katholische Klerus, sehen sich durch den Deutsche Monistenbund aufgefordert

„gegen die Monisten und den sittlichen Schmutz" anzutreten.

Rudolph Eucken (1846-1926). Eucken macht Zweifel geltend, „ob die von ihm (dem Monismus, K-J.G.) ausschließlich verwandten Naturbegriffe zur Umspannung der Wirklichkeit genügen", und fordert eine Besinnung auf das „Geistesleben" . Haeckels

Ernst Haeckel seinerseits hatte 1906 durch die Gründung seines Monistenbundes eine stabile Institution geschaffen, der sich der Freimaurerbund zu aufgehenden Sonne von Anfang an verpflichtet sah. Aber neben den Schwierigkeiten, die eine nicht anerkannte Loge ohnehin schwächen, war es gerade die unmittelbare Nähe zum Dogmatismus der monistischen Lehre, die zu heftigen Auseinandersetzungen innerhalb des eigenwilligen Bundes und letztlich zu enormem Schwund seiner Mitglieder führte. Gleichwohl hat der Freimaurerbund zur aufgehenden Sonne vor allem durch das pazifistische Wirken Carl von Ossietzkys in den Jahren um den Ersten Weltkrieg beachtliches Ansehen gewonnen.

Mit dem Zauberwort Freigeist stellt sich unmittelbar eine Verbindung her zwischen Sinnsuche der Intellektuellen an der Wende zum zwanzigsten Jahrhundert und den Anfängen der neueren Freimaurerei aus dem Geist der englischen Freethinkers zu Beginn des achtzehnten Jahrhunderts. Während die Ideen des neueren Freigeistertums allerdings mit einer radikalen Abkehr von religiösen Inhalten einhergehen, tritt die Gedankenwelt der englischen Maurerei zur Zeit der Formulierung der Konstitution des Reverend James Anderson (1680-1739) von 1723 mit ihrem Deismus lediglich für eine Besinnung der Religion auf ihren moralischen Kern ein.

Steht bei den englischen Deisten und Freethinkers die Kritik am Theismus des Christentums im Vordergrund, so zielen die Freigeister um 1900 auf eine Abschaffung allen Gottesglaubens überhaupt. So entfalten sich bei den deutschen Freigeistern des späten neunzehnten Jahrhunderts - nach einer langen Inkubationszeit - die atheistischen Keime, deren Ursprung in erster Linie in der französischen Aufklärung zu finden ist. Die namhaftesten jener Vertreter waren allesamt Mitglieder der Pariser Loge Les Neuf Soeurs - Pierre-Jean-George Cabanis (1757-1808), Jean le Rond d'Alembert (1717-1783), François Marie Voltaire (1694-1778), Claude Andrien Helvétius (1715-1771), Julien Offray de Lamettrie (1709-1751), Paul Heinrich Dietrich Freiherr von Holbach (1723- 1789) und andere. Ihre Geisteshaltung entsprach einem physikalischen Materialismus. Er artikulierte sich in Schriften, wie Lamettries L´Homme Machine (1747), L´Homme-Plante (1748) oder d`Holbachs Système de la nature (1770). Diese Bücher stellen eine Naturbetrachtungen vor, in denen zur Erklärung selbst der komplexesten Zusammenhänge von lebenden Erscheinungen keine anderen Prinzipien herangezogen werden sollten als die geltenden physikalischen Gesetze.

Vom Geist als einer eigenständigen Substanz kann dabei ebenso wenig gesprochen werden wie von Moral als einer von leiblichen Affekten unabhängigen Gegebenheit. Dass dieser Materialismus auch keine von der Natur verschiedene göttliche Substanz gelten lässt, erklärt sich von selbst. Dadurch kommen in der französischen Maurerei schon

im achtzehnten Jahrhundert materialistische und atheistische Lehren zum Tragen. In einem sehr weiten Sinn kann man sie sogar monistisch nennen; denn sie wollen die Gesamtheit der Welt und des Universums nach einheitlichen - allerdings zumeist rein mechanistischen - Prinzipien erklären.

Freimaurerei vor einer allzu dogmatischen Bindung an die Moralphilosophie Immanuel Kants bewahrt. Das alles ergreifende Schwerefeld des Kantischen Sittengesetzes als ihrem Zentrum hat die deutsche Freimaurerei erst gegen Ende des neun- zehnten Jahrhundert aus eigener Kraft - nicht zuletzt durch den Einfluss monistisch ausgerichteten Naturwissenschaftler - zu überwinden verstanden.

Nicht allein die bisherige Dominanz der Moralphilosophie Kants in der deutschen Freimaurerei, auch die nur zaghaft vollzogene Distanz zu Dogmen christlicher Lehren und ihren Repräsentanten machten die Logen in Deutschland anfällig für freigeistige und monistische Weltanschauung. Bis ins vergangene Jahrhundert hinein herrschten hier ausgeprägte Bündnisse mit christlichen Kirchen fort. Sie bildeten sich auf dem von Johann Wilhelm Kellner von Zinnendorf (1731-1782) begründeten Schwedischen System oder der Schwedischen Lehrart aus.

In der Großen Landesloge von Deutschland sowie in der Großen National-Mutterloge zu den drei Weltkugeln hat sich diese Lehrart bis heute erhalten. Ihre spezifische Eigenart beruht auf dem aus Überlieferungen des Ritterorden übernommenen Ordensgedanken und dessen Verankerung in der Lehre Christi. Das Schwedische System betrachtet sich als auf der reinen Lehre Jesu gegründet und anerkennt Christus als den unsichtbaren Obermeister. Hierbei wird nicht nur die Forderung der Toleranz gegenüber anderen Religionen empfindlich verletzt, auch die Eigenständigkeit der katholischen Kirche hatte allen Grund, sich bedroht zu fühlen. Es ist demnach kein Wunder, wenn

Hüter des katholischen Glauben in dieser freimaurerischen Lehrart eine Demontage ihres eigenen christlichen Rituals immer wieder von neuem scharf gewiesen haben.

Die beiden geschilderten Sachverhalte - Dominanz der Kantischen Lehre vom Sittengesetz und enge Bindung an christliche Lehre und Rituale - ziehen einen weiteren, damit verbundenen, nach sich. Es ist ein religionsphilosophischer Aspekt angesprochen. Durch die Nähe zum Monismus gegebene Neuorientierung freimaurerischen Denkens an naturwissenschaftlichen Weltanschauungen in den Reformlogen spricht sich auch ein neues Verständnis von Aufklärung aus.

Das alte Verständnis der Aufklärung begründete zunächst mit Recht die enorme Rolle, die Kants Forderung nach einem Sittengesetz in der deutschen Freimaurerei zuerkannt worden war.

Denn die klassische Aufklärung - wiederum vor allem in Deutschland - fragte auch

Vgl. beispielsweise Hans Baum, Robert Prantner, Freimaurerei und Kirche sind unvereinbar, Christana-Verlag

/ Schweiz, Stein am Rhein, 6. Auflage 1998. Die Autoren erfolgen das Ziel, „eine Front der Anständigen" zu schaffen, welche verhindern soll, dass die katholische Kirche „auf direktem Weg zum freimaurerischen Unitarismus hinübergezogen werde" (S. 6). Diese „Feindaufklärung" sei nötig, weil viele „in der Kirche schlafen" und

mit der Freimaurerei kollaborierten. (S. 10) Mit fast pathologischem Verfolgungswahn möchte das Buch die Bündnisse zwischen katholischer Kirche und Freimaurerei zerstören; denn „wo man den Teufel so lange mit Gott verwechselt, bis man ihm endgültig verfällt, ist man einem Satanismus aufgesessen." (S. 13).

danach, wie Christentum außerhalb der Kirchen möglich sei. Die Antwort auf diese

Fragestellung liegt in der Beschränkung der die Religion betreffenden Aussagen auf den Gegenstand der Moral. Während so auf der einen Seite der alle Religionskriege beherrschende Hader um die wahren metaphysischen Inhalte einer bestimmten Religion im Prozess der Aufklärung marginalisiert wird, weil der allen Religionen gemeinsame moralische Kern - die Moral - ins Zentrum des Glaubens rückt, erlangt auf der anderen Seite Moralität in der Gestalt einer Vernunftreligion bald genau die jenige Dignität, die vormals nur den metaphysischen Inhalten des orthodoxen Glaubens zugesprochen wurde. Vernunftreligion der Aufklärung fasst zwar das Verbindende aller Religionen ins Auge, aber zuletzt übernimmt sie eben wieder die Rolle einer Religion.

Christianity not Mysterious, also für ein Christentum ohne Geheimnis hatte sich schon 1696 ausdrücklich der Erfinder des Wortes Pantheismus, John Toland (1670- 1722), eingesetzt. In drei Schritten wollte er den Beweis erbringen, dass Christentum und Vernunft vereinbar seien. „1. eine christliche Lehre kann so wenig als ein or- dinäres Stück der Natur desswegen für ein Geheimniss angesehen werden, weil wir keine adäquaten und vollständigen Ideen von Allem haben", lautet es in der Übersetzung von Gotthard Victor Lechler. Toland fährt fort: „was in der Religion geoffenbart ist, das kann und muss, da es höchst nützlich und nothwendig ist, eben so leicht verstanden und mit unseren gewöhnlichen Begriffen Übereinstimmend gefunden werden, als was wir von Holz, Stein, Luft, Wasser und dergl. wissen; 3. wenn wir solche Lehren mit gleicher Vertrautheit auslegen, als was wir von natürlichen Dingen wissen

(und ich behaupte, das können wir)", schreibt Toland, „so kann man bei jenen eben so gut sagen, wir begreifen sie, als bei diesen; z. B. Ewigkeit ist nicht übervernünftiger, weil sie sich nicht vorstellen lässt, als ein Kreis, weil er vorstellbar ist. Denn in beiden Fällen ist die Vernunft, gemäß der verschiedenen Natur der Gegenstände, tätig; der eine ist wesentlich vorstellbar, der andere nicht." Damit ist das Geheimnisvolle als wesentlicher Bestandteil der Schöpfung vernichtet und zu einer Funktion unseres Vorstellungsvermögens erklärt.

Diese aufklärerische Denkhaltung, der Deismus, schlägt sich auch nieder in den Konstitutionen des James Anderson, in denen der gemeinsame Boden aller Religionen als der Gegenstand der Moral ausgewiesen wird, als „that religion in which all Men agree" . Ein solches Christentum der Vernunft, wie die 1751/53 entstandene Schrift Lessings (1729-1781) es verkündete und auch in Nathan der Weise ausgesprochen ist, gilt radikaleren Aufklärern und Freimaurern jedoch als ein Rückzug auf halbem Weg; schließlich als ein Festhalten der Freimaurerei an Religion, die dem Anspruch der säkularen Vernunft hinderlich sein könnte. Lessing und die englischen Freethinkers repräsentieren die deistische Überzeugung innerhalb der Freimaurerei.

Der Deismus bildet überhaupt das stärkste Bindeglied zwischen Aufklärung und Freimaurerei im frühen achtzehnten Jahrhundert. In ihr wurde nicht zuletzt der un-  

Vgl. hierzu Alfred Schmidt, Gedanken zur reflexive Aufklärung, in: Reflexive Aufklärung, Schriftenreihe der

Freimaurer-Akademie der Großloge von Österreich, Wien 1998, S. 111 ff.

Zitiert nach Gotthard Victor Lechler, Geschichte des englischen Deismus, Hildesheim 1965, S. 188.

Die alten Pflichten von 1723, in neuer Übersetzung hrsg. von der Großloge A.F.u.A.M.v.D., Bonn 1994, S. 10.

heilvolle Streit um die einzige Wahrheit, die jede Religion dogmatisch für sich zu beanspruchen geneigt ist, vorläufig beigelegt, indem die offenbarten oder metaphysischen Wahrheiten der Religionen vor den Prüfstand der Vernunft treten sollten. Am

Ende dieser Entwicklung aber verfällt die maßgebliche religionskritische Instanz Vernunft - als deus philosophorum - selbst in den Verdacht, religiöse Implikationen bei sich zu führen.

Nun ist zwar der transzendente Gott im deus philosophorum säkularisiert, aber sein lumen naturale verwandelt sich im Zauberwort Vernunft zu einem Transzendenten mit metaphysischer Bedeutung. Was vormals der Gott selbst zu tragen hatte, wird nun der Vernunft und ihrem moralischen Anspruch aufgebürdet. Und unter der Last des Moralischen, namentlich des Sittengesetzes und des Vernunftglaubens, in dem das summum bonum fortwirkt, droht die Vernunft im neunzehnten Jahrhundert zusammenzubrechen.

Mit Recht und nicht, wie Adickes meinte, aus „Absurdität", haben also auch die deutschen materialistischen Denker des achtzehnten und neunzehnten Jahrhunderts das Unfertige des allein auf Vernunft und Moral gegründeten Prozesses der Aufklärung wahrgenommen. Sie fordern nun, die Natur in ihr Recht zu setzen; sie beschreiten nun, in einem neuen geistesgeschichtlichen Klima, den von jenen französischen physikalischen Materialisten beschrittenen Weg. Jetzt wird den Vordersten der deutschen Gelehrten deutlich, dass zwar Universalien wie Gott, Freiheit und Unsterblich-

keit als reale Bestimmungen der Inhalte von der Offenbarung beseitigt sind, dass sie gleichwohl auf subtilere Weise als Bestimmungen der Vernunft in den Moralphilosophien der Spätaufklärung weiterleben. Dieser Prozess konnte an der Freimaurerei nicht spurlos vorüber gehen. In sie dringt nun ein, was radikale Aufklärer- Philosophen wie Arthur Schopenhauer (1788-1860) und Friedrich Nietzsche (1844- 1900) im Vernunftglauben und der Rede vom Sittengesetz gesehen haben: den alten Wein in neuen Schläuchen. Schopenhauer zur Wahrheitsliebe wird die Frankfurter Freimaurer-Loge des Schottischen Ritus getauft.

Vor allem gilt Nietzsche vielen Atheisten und Freigeistern des ausklingenden neunzehnten Jahrhunderts als wichtigster Gewährsmann. Er, der sich einen „freien Geist" nannte, bemängelte die naturfeindliche Tendenz aller ausgesprochenen Moralphilosophie mit nie da gewesener Radikalität.     „Was die Philosophen, Begründung der Moral nannten und von sich forderten, war, im rechten Licht gesehen, nur eine gelehrte Form des guten Glaubens an die herrschende Moral, ein neues Mittel ihres Ausdrucks, also als ein Tatbestand selbst innerhalb einer bestimmten Art Leugnung, dass diese Moral als Problem gefasst werden dürfe."    

Den auch die Freimaurerei des achtzehnten Jahrhunderts prägenden Geist von Freiheit und Brüderlichkeit, der sich mit der neuzeitlichen demokratischen Bewegung amalgamiert hatte, ordnet

Vgl. Friedrich Nietzsche, Jenseits von Gut und Böse, in: Kritische Studienausgabe in 15 Einzelbänden, hrsg.

von Giorgio Colli und Mazzino Montinari, Berlin 1967-1977, Bd. 5, S. 74

Nietzsche der europäischen „Herdendtier-Moral" zu.

Sie ist ihm „Erbschaft der Christlichen", institutionalisiert durch „tölpelhafte Philosophaster und Bruderschafts Schwärmer". Nietzsches Ton ist härter als die Stimme der Freethinkers, Deisten und Moralbegründer. Er wollte nicht verwechselt werden mit durchschnittlichem Freigeist, der zuletzt doch dem Bürgertum mit seiner Moral nur Ersatz für die verlorenen Werte der Religion angeboten hatte. Nietzsche will auf das Sittengesetz verzichten, das vor allem die Reste der vormaligen Metaphysik und der Moral als Trost für die trostlose Epoche gerettet hatte. So wird Moral als letztes Refugium der Aufklärung entlarvt und ein Wille freigesetzt, ohne die bindenden Werte eines Sittengesetzes zur moralischen Ordnung in der Welt zu gelangen. Mit dem Materialismus des neunzehnten Jahrhunderts, dessen Erbe sich zum Teil im Monismus wiederfindet, stellt sich eine bürgerliche Kritik am Bürgertum ein. ……..

 

Um eine weitere Affinität des Monismus zur Vision eines Bruderbundes zu beleuchten, ist hier noch einmal an den Deisten John Toland zu erinnern, der 1720 in seiner kleinen Schrift Pantheisticon or, the Form of Celebrating the Socratic-Society eine weniger in moralphilosophischer Sprache als in kosmisch-naturwissenschaftlichen Bildern eine Weltfrömmigkeit beschrieben hat. In diesem Büchlein artikuliert sich eine Feier der gesetzlich verfassten Natur - im Sinne des mechanischen Materialismus, „drücken wir ... unsere Überzeugung aus, dass ein Geist in allen Dingen lebt, und

dass die ganze erkennbare Welt nach einem gemeinsamen Grundgesetze besteht und sich entwickelt. Insbesondere betonen wir dabei die grundsätzliche Einheit der anorganischen und organischen Natur, von denen ja die letztere erst verhältnismäßig spät aus der ersteren sich entwickelt hat."     Bedeutet der Pantheismus der englischen Aufklärung weitestgehend noch Nähe zur christlichen Religion, so weist er Haeckel zufolge voraus auf den Atheismus seiner monistischen Lehre. „Atheismus (‚die entgötterte Weltanschauung')", lautet es in den Welträtseln, bedeute, „es gibt keinen Gott und keine Götter, falls man unter diesem Begriff persönliche, außerhalb der Natur stehende Wesen versteht. Diese ‚gottlose Weltanschauung' fällt im wesentlichen mit dem Monismus oder Pantheismus unserer modernen Naturwissenschaft zusammen; sie gibt nur einen anderen Ausdruck dafür, indem sie eine negative Seite derselben hervorhebt, die Nichtexistenz der extramundanen oder übernatürlichen Gottheit. In diesem Sinne", fährt Haeckel fort, „sagt Schopenhauer ganz richtig: ‚Pantheismus ist nur ein höflicher Atheismus. Die Wahrheit des Pantheismus besteht in der Aufhebung des dualistischen Gegensatzes zwischen Gott und Welt, in der Erkenntnis, daß die Welt aus ihrer inneren Kraft und durch sich selbst da ist. Der Satz des Pantheismus: ‚Gott und die Welt ist Eins' ist bloß eine höfliche Wendung, dem Herrgott den Abschied zu geben.'"

……

Vertreten durch Monisten wie dem Philosophen Ernst Horneffer (1871-1954), dem

Publizisten Carl von Ossietzky - ebenfalls Nobelpreisträger - und dem Naturwissenschaftler Wilhelm von Ostwald, die sich auch der Freimaurerei anschlossen, gewann

Horst Groschopp, Dissidenten. Freidenker und Kultur in Deutschland, Berlin 1997.

Ludwig Büchner, Kraft und Stoff. Grundzüge der natürlichen Weltordnung. Nebst einer darauf gebauten Sittenlehre, (Volksausgabe) Leipzig 1894.

Friedrich Nietzsche, Die fröhliche Wissenschaft, in: Kritische Studienausgabe in 15 Einzelbänden, a.a.O., Bd.

Literatur

Max Henning (Hrsg.), Handbuch der freigeistigen Bewegung Deutschlands, Österreichs und der Schweiz, hrsg. im Auftrag des Weimarer Kartells, Frankfurt am Main 1914.

Arthur Drews, Die Christusmythe, Jena 1910.

Weitere bekannte Personen aus dem öffentlichen Leben der Weimarer Zeit und ihre Mitgliedschaft in Logen

des Freimaurerbundes zur aufgehenden Sonne nennt Hans-Detlef Mebes, Zur Gründungs- und ersten Entwicklungsgeschichte eines „Allgemeinen Freimaurer-Bundes auf aufgeklärter Weltanschauung"..., in: Paul Ziche,

Monismus um 1900, S. 148.

Die alten Pflichten von 1723, in neuer Übersetzung hrsg. von der Großloge

Alfred Schmidt, Das Erbe des englischen Deismus, in: Matthias Lutz-Bachmann, Und dennoch    ist    von    Gott    zu    reden.    Festschrift    für    Herbert    Vorgrimler,    Freiburg/Basel/Wien 1994.

Gotthard Victor Lechler, Geschichte des englischen Deismus, Hildesheim 1965.

Friedrich Nietzsche, Jenseits von Gut und Böse, in: Kritische Studienausgabe in 15

Einzelbänden, hrsg. von Giorgio Colli und Mazzino Montinari, Berlin 1967-1977.

John Toland, Pantheisticon or, the Form of Celebrating the Socratic-Society, Reprint der Ausgabe von 1751, New York / London 1976.

Diogenes Laertios, Leben und Meinungen berühmter Philosophen, Hamburg 1998.

Ernst Haeckel, Der Monismus als Band zwischen Religion und Wissenschaft. Glaubensbekenntnisse eines Naturforschers, Stuttgart 1905.

Ernst Haeckel, Die Welträtsel.  Stuttgart 1984.

Dieter Fricke, Ossietzky   in: Gerhard Kraiker, Dirk Grathoff

(Hrsg.), Carl von Ossietzky und die politische Kultur der Weimarer Republik: Symposion zum 100. Geburtstag, Oldenburg 1991.

Gotthold Ephraim Lessing, Das Christentum der Vernunft, Berlin 1784.

Bruno Peters, Die Geschichte der Freimaurerei im Deutschen Reich 1870-1933,

Berlin 1986.

Rudolph Eucken, Geistige Strömungen der Gegenwart, Leipzig 1909.

Paul Ziche (Hrsg.), Monismus um 1900. Wissenschaftskultur und Weltanschauung,

Berlin 2000.

Alfred Schmidt, Gedanken zur reflexive Aufklärung, in: Reflexive Aufklärung,

Schriftenreihe der Freimaurer-Akademie der Großloge von Österreich, Wien 1998.

Hans Baum, Robert Prantner, Freimaurerei und Kirche sind unvereinbar, Stein am

Rhein 1998.

 

Die "Große Loge von Hamburg" (1737)

Durch die Eintragung der 1737 gegründeten "Loge d´Hambourg - Société de Maçons libres de la ville de Hamburg" (ab 1764 "Absalom" und später "Absalom zu den drei Nesseln") in das Londoner Logenregister im Jahre 1740 wurde diese Loge eine englische Provinzialgroßloge. Im Zuge der napoleonischen Besetzung erklärte sie sich 1811 zur unabhängigen Großloge. Der Schauspieldirektor Friedrich Ludwig Schröder (Begründer der nach ihm benannten "Schröderschen Lehrart") wurde 1814 Großmeister dieser Großloge, die zudem sein Ritual übernahm. Ab 1900 übernahm Settegast sie mit seiner eigenen nicht sehr langlebigen Großloge. 1932 gehörten der "Großen Loge von Hamburg" 56 Logen mit 5000 Brüdern an. 1935 ging sie nach Valparaiso (Chile) ins Exil, um sich der Zwangsauflösung unter dem Hitler-Regime zu entziehen.

 

Die "Große Landesloge von Sachsen in Dresden" (1738)

Graf von Rutowsky gründete 1738 in Dresden die Loge "Aux trois aigles blancs". Noch im gleichen Jahr spaltete sich die Loge und es entstand die Schwesterloge "Aux trois glaives d´or". Eine abermalige Spaltung (1741) führt zur Gründung der Loge "Aux trois cygnes", die jedoch keinen Bestand hatte und sich der Schwesternloge wieder anschloß. 1741 bildeten die beiden Schwesternlogen eine Großloge; auch sie hatte keinen Bestand. Erst nachdem sich die sächsischen Logen 1811 zur "Großen Landesloge von Sachsen" erklärten, erlebte die Großloge ihren Aufschwung. Zuerst traten 11 Logen, später dann 7 weitere der Großloge, die das Schrödersche Ritual benutzte und keine Hochgrade bearbeitete, bei. 1932 hatte die Großloge 44 Logen, in denen 7200 Brüder arbeiteten. Ihrer Auflösung versuchte sie durch die Umwandlung zum "Deutschchristlichen Orden Sachsen" im Jahre 1933 zu entgehen; der Versuch war vergeblich, 1935 erfolgte die Zwangsauflösung.

 

Die "Große National-Mutterloge `Zu den drei Weltkugeln`" (1740)

Nachdem Friedrich der Große in der Nacht vom 14. auf den 15. August 1738 durch Hamburger Freimaurer als Lehrling in den Bund aufgenommen, im Anschluß daran zum Gesellen befördert und dann zum Meister erhoben wurde, lud er Baron von Oberg und den Schriftsteller Freiherr von Bielfeld nach Schloß Rheinsberg ein, um dort eine Loge einrichten zu können. In Berlin war es der Geheime Rat Etienne Jordan, der dort am Hofe Friedrich des II. eine Loge gründete, die unter dem Namen "Zu den drei Weltkugeln" entstand. 1744 erklärte sie sich zur Großen National-Mutterloge "Zu den drei Weltkugeln" und stiftete später eine Anzahl weiterer Logen. Nach dem Wilhelmsbader Kongreß von 1782 erklärte sie sich für unabhängig und nahm ein so bezeichnetes "rektifizierte System" an, d. i. ein System, das aus den drei Johannisgraden besteht und daneben sogenannte "Erkenntnisstufen" zusätzlich bearbeitet: einen Schottengrad und die drei Grade des Inneren Orients: Auserwählte Brüder, Geweihte des Inneren Tempels, Vertraute der Vollendung.

Zur Erklärung: Schottengrade waren die ersten Hochgrade, die der freimaurerischen Öffentlichkeit um 1740 bekannt wurden. Ihnen liegt anstelle des salomonischen Tempelbaues und des Todes Hirams die Zerstörung des Tempels zugrunde; daraus resultierte die Aufgabe des symbolischen Wiederaufbaus durch die schottischen Meister. Mit Schottland haben diese Grade nichts zu tun, ganz im Gegenteil, der größte Teil der Schottengrade stammte aus Frankreich.

1933 bestand die Großloge aus 177 Logen mit insgesamt 22700 Brüdern. Um der Freimaurerfeindlichkeit der Machthaber des Dritten Reiches zu entgehen, wandelte sie sich in den "Nationalen christlichen Orden" um, was jedoch ohne Wirkung blieb, denn 1935 mußte sie sich auflösen.

 

Die Großloge "Zur Sonne" in Bayreuth (1741)

Markgraf Friedrich von Brandenburg-Bayreuth gründete 1741 eine Schloßloge. Mit ihrer Wandlung zur Stadtloge erhielt sie ihren Namen. Nach ihrer Erklärung zur Mutterloge (1744), begann sie 1757 Tochterlogen in Ansbach und Erlangen zu gründen. 1764 ging sie zur "Strikten Observanz" über, mit der Folge, daß die Bruderschaft, die mit dem Übergang nicht einverstanden war, ihre Arbeit von 1765 bis 1779 einstellte. 1791 erfolgte der Anschluß an die Berliner Großloge "Zur Freundschaft", 1810 verließ sie diese Großloge und ernannte sich selbst zu einer solchen. 1811, als Bayreuth an Bayern fiel, wurde sie die "Große Provinzloge "Zur Sonne"". 1902 gründete sie einen "Engbund" (unter "Engbünden" versteht man wissenschaftliche Vereinigungen von Freimaurern, die bereits den Meistergrad besitzen). 1932 bestand sie aus 45 Logen mit 4000 Brüdern. Sie wandelte sich dann in die "Gesellschaft zur Pflege deutscher Kultur" um, die im 3. Reich aufgelöst wurde.

 

Die "Große Mutterloge des Eklektischen Freimaurerbundes" in Frankfurt (1741)

Die Krönung Karls VII. in Frankfurt wurde 1741 zum Anlaß der Gründung der Loge "L´Union" genommen. Sie erhielt 1743 ein Patent der Londoner Großloge. 1766 wurde Peter Gogel, seit 1761 Meister vom Stuhl der Loge, zum Provinzialgroßmeister ernannt, woraus die Loge für sich das Recht einer Mutterloge ableitete. In einem 1783 nach dem Wilhelmsbader Konvent herausgegebenen Manifest schlug sie vor, die besten Teile aller Systeme auszuwählen, um daraus ein einziges Lehrsystem zu entwickeln (daher der Name "eklektisch"). 1783 unterstellte sie sich als Provinzialgroßloge der Großloge von England (bis 1822). 1811 gab man sich ein christlich geprägtes Ritual. Der eklektische Bund lehnte die Hochgrade ab und bearbeitete lediglich zwischenzeitlich den Royal-Arch-Grad. 1844 gab man das christliche Prinzip wieder auf, weshalb einige Logen die Großloge verließen. 1933 bestand die "Große Mutterloge des Eklektischen Freimaurerbundes" aus 24 Logen mit 3500 Brüdern. Zu Beginn des Dritten Reiches löste sie sich auf.

 

Die "Großloge des Königreichs Hannover" (1755)

1755 begann die nachmalige Großloge ihre Existenz als Provinzialgroßloge, der ein englischer Provinzialgroßmeister vorstand. Sie gehörte später zur Strikten Observanz, bildete einen Inneren Orden und eine altschottische Loge. Ab 1801 arbeite sie nach dem Ritual Friedrich Ludwig Schröders. Nach dem Anschluß 1810 an den "Großorient von Westfalen" ruhte ihre Arbeit bis 1814. 1828 löste sie sich von ihrer englischen Großloge und nannte sich nun "Große Loge des Königreichs Hannover". 1856 übernahm Georg der V. ihr Protektorat, wobei die Großloge verpflichtet wurde, nach christlichen Prinzipien zu arbeiten. 1866, als das Königreich Hannover zu Preußen kam, verlor die Großloge ihre Selbständigkeit und schloß sich der Großloge "Zur Freundschaft" in Berlin an.

 

Die "Große Loge von Preußen genannt Royal York zur Freundschaft" (1760)

In Berlin gründeten französische Freimaurer am 5. Mai 1760 die Loge "Aux trois Colombes" ("Zu den drei Tauben", deren Name bereits 1761 in "De l´Amitié aux trois Colombes" umgewandelt wurde). 1765 wurde der damals 26jährige Herzog Eduard August von York (Bruder von Georg III., dem König von England) als Lehrling aufgenommen und ebenso, wie seinerzeit Friedrich der Große unmittelbar nach seiner Aufnahme befördert und erhoben. Am 2. August 1765 erhielt der Herzog seine Zertifikate und die Anerkennung als Protektor der Loge, die ihm zu Ehren nunmehr den Namen "Loge Royale d´York de l´Amitié" ("Loge Royal York zur Freundschaft") annahm. Von 1768 bis 1774 war sie eine Tochterloge der Großloge von England, danach bis 1778 eine Tochterloge der Großen Landesloge, um danach formell in ihr altes Verhältnis zur englischen Großloge zurückzukehren. 1798 teilte die Loge sich in die "vier vereinigten Logen": "Friedrich Wilhelm zur gekrönten Gerechtigkeit", "Zur siegenden Wahrheit", "Urania zur Unsterblichkeit" und "Pythagoras zum flammenden Stern". Nach der Ausarbeitung einer entsprechenden Konstitution war es den "vier vereinigten Logen" dann möglich, sich als Großloge anerkennen zu lassen unter der Bezeichnung "Großloge Royal York genannt zur Freundschaft". Ab dann entwickelte die Großloge sich stetig; 1932 umfaßte sie 104 Logen mit insgesamt 11500 Mitgliedern. Wie die "Große National-Mutterloge "Zu den drei Weltkugeln"" wandelte auch sie sich im Dritten Reich um, und zwar in den "Deutschchristlichen Orden Zur Freundschaft", bis sie sich dann ebenfalls auflösen mußte.

 

Die Große Loge zu Regensburg (1767)

1767 aus der Loge "Die Wachsende zu den drei Schlüsseln" hervorgegangen und auf französische Art mit Schottengraden arbeitend, konnte diese Loge nur wenig arbeiten, da Bayern die Verordnungen gegen geheime Gesellschaften sehr streng handhabte. Bereits 1840 löste sich die Goßloge auf.

 

Die "Große Landesloge der Freimaurer von Deutschland (Freimaurerorden)" (1770)

Die "Große Landesloge" ist eine Gründung des 1731 geborenen Johann Wilhelm Kellner von Zinnendorf, der in die deutsche Freimaurerei das schwedische System einführte. 1754 wurde Zinnendorf in die Loge "Philadelphia zu den drei goldenen Armen" aufgenommen und bis zum Meistergrad befördert bzw. erhoben. 1758 erhielt er den Schottengrad in Breslau und 1763 die Rosaschen Kapitelgrade (Ritterhochgrade) in Halle. 1765 erfolgte seine Ernennung zum (Groß-) Meister vom Stuhl der Loge "Zu den drei Weltkugeln", deren Mitglied er seit 1763 war. Seit 1764 war er Präfekt der Präfektur Templin der Strikten Observanz. Als seine Loge "Zu den drei Weltkugeln" zur Strikten Observanz überging, geriet Zinnendorf mit ihr in Konflikt. 1766 erteilte er der Strikten Observanz eine Absage, 1767 verließ er seine Mutterloge "Zu den drei Weltkugeln". 1768 entstand in Berlin "Minerva", die erste Johannisloge des schwedischen Systems. 1769 gründete Zinnendorf selber die Loge "Zu den drei goldenen Schlüsseln" in Berlin, deren Vorsitzender Meister er bis 1776 war; 1769 wurde er der Wortführende Meister der Schottenloge "Indissolubilis". Es entstanden zahlreich Logen der neuen Lehrart, bis 1770 schließlich die "Große Landesloge der Freimaurer von Deutschland" von Zinnendorf gestiftet wurde. Als Zinnendorf 1782 starb, zählte die neue Großloge bereits 62 Johannislogen. 1932 schließlich bestand die Großloge aus 173 Logen mit 22300 Brüdern. Auch sie versuchte sich der Auflösung im Dritten Reich durch Umwandlung (in den "Deutschchristlichen Orden") zu entziehen, und auch sie mußte sich, wie alle anderen Logen, 1935 zwangsweise auflösen.

 

Die "Große Freimaurerloge `Zur Eintracht' " in Darmstadt (1846)

Zwei Jahre, nachdem die "Großloge des Eklektischen Freimaurerbundes" dem christlichen Prinzip den Rücken wendete, bildete sich aus den aus der Großloge ausgetretenen Logen 1846 die "Große Freimaurerloge "Zur Eintracht"" in Darmstadt. 1860 schlossen sich ihr einige nach dem humanitären Prinzip arbeitende Logen an. Sie arbeitete nach dem Schröderschen Ritual; Hochgrade wurden nicht bearbeitet. 1873 wurde das christliche Prinzip zugunsten des humanitären aufgegeben. 1932 arbeiteten 10 Logen mit insgesamt 900 Brüdern in der Großloge; 1933 löste sie sich auf.

 

Die Großloge "Deutsche Bruderkette" in Leipzig (1883)

Diese Großloge hat ihren Ursprung in fünf einzelnen Logen ("Minerva zu den drei Palmen", Leipzig 1741, "Archimedes zu den drei Reißbrettern", Altenburg 1742, "Balduin zur Linde", Leipzig, 1776, "Karl zum Rautenkranz", Hiltburghausen 1787, "Archimedes zum ewigen Bunde", Gera 1803), die 1883 eine freie Vereinigung bildeten. 1924 gründeten sie mit drei anderen Logen zusammen eine Großloge, in der nach verschiedenen Ritualen gearbeitet wurde. 1932 arbeiteten 3200 Brüder in der Großloge, die sich im Dritten Reich zum "Christlichen Orden deutscher Dom" umwandelte, bis sie sich wenig später zwangsauflösen mußte.

 

Die Großloge "Kaiser Friedrich zur Bundestreue" ("Settegast"-Logen) (1892)

Diese Großloge ging aus der "Großloge Royal York genannt zur Freundschaft" hervor. Hermann Settegast (1819 - 1908) wollte 1889 als Großmeister der "Großloge Royal York genannt zur Freundschaft" unter anderem deren Hochgrade abschaffen. Als ihm dies nicht gelang, trat er aus und gründete 1892 die Großloge "Kaiser Friedrich zur Bundestreue". Diese wurde von den meisten anderen Großlogen nicht anerkannt, weshalb sie sich 1900 der "Großen Loge von Hamburg" anschloß, womit sie ihre Tätigkeit als Großloge einstellte.

 

Der Freimaurerbund "Zur aufgehenden Sonne" (FZaS) (1905) (2)

Mit der Absicht "die Menschen aus den engen Fesseln der dogmatischen und konfessionellen Weltanschauung herauszuheben und sie auf den Boden des reinen Menschentums zu stellen", versuchte der Nürnberger Kaufmann Heinrich Loeberich 1905, nach seinem Austritt aus dem Bunde der Freimaurer, der ihm zu sehr an Bibel und Gott gebunden war, einen "allgemeinen Freimaurerbund auf monistischer Weltanschauung" zu gründen. 1907 zählte der Bund 127 Mitglieder, die auf der am 27. Juli des Jahres stattgefundenen Mitgliederversammlung in den I. Grad des von Loeberich selbst entworfenem Ritual eingeführt wurden. Auf dieser Versammlung wurde der Name des Bundes in "Freimaurerloge Zur Aufgehenden Sonne" geändert und eine neu ausgearbeitete Satzung angenommen. Der FZaS war weder eine anerkannte noch eine reguläre Großloge, da das Symbol des Großen Baumeisters der Welt und die Bibel als Symbol des Buches des Gesetzes abgeschafft wurden und anstelle dessen ein weißes Buch aufgelegt wurde. Außerdem wurden Atheisten in den Bund aufgenommen und die Loge verfügte über kein Patent des Großmeisters.

Es war beabsichtigt, nur im ersten Grad zu arbeiten, doch kam man davon wieder ab: 1908 wurden dem ersten auch ein zweiter und dritter Grad hinzugefügt. 1915 löste ein neues Ritual von Johannes Marcinowski das von Loeberich ab.

1923 zählte die Großloge 79 Logen mit 2850 Brüdern. Allerdings führte die Irregularität der Großloge immer wieder dazu, daß eine Reihe von Brüdern die Großloge wieder verließ. Von 1925 bis 1927 waren es 800 Brüder. 1930 verließen noch einmal 600 Brüder die Großloge, welche die "Symbolische Großloge von Deutschland" gründeten. Zwar konnten solche Verluste durch Neuaufnahmen teilweise verringert werden, aber letztlich vermochte die Großloge sich von diesen Verlusten nicht erholen. Noch bevor ein Verbot erfolgen konnte, löste sich die Großloge im Frühjahr 1933 auf.

 

Die "Symbolische Großloge von Deutschland" in Hamburg (gegründet 1931)

Die 600 im Jahre 1930 aus dem FZaS ausgetretenen Brüder gründeten im gleichen Jahr die "Symbolische Großloge von Deutschland". Da sie von dem Deutschen Großlogenbund nicht anerkannt wurde, erhielt sie ihr Patent vom Obersten Rat des Alten und Angenommenen Schottischen Ritus, der ebenfalls erst in diesem Jahr in Deutschland durch die Obersten Räte der Schweiz und der Niederlande gegründet worden war. Bis 1932 kam die junge Großloge auf 26 Logen mit 1200 Brüdern. Ihr erster Großmeister, Leo Müffelmann, ließ 1933 im April alle deutschen Logen der "Symbolischen Großloge" schließen und sämtliche Unterlagen nach Palästina bringen.

 

Damit sind die wichtigsten Großlogen genannt, die in Deutschland vom 18. bis zum Teil in die dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts tätig waren. Eine ausführlichere Darstellung der Geschichte dieser einzelnen Großlogen ist hier aus Platzgründen kaum möglich, aber bereits eine solche Auflistung vermag einen Eindruck von der damaligen Vielfalt der deutschen Freimaurerei geben.

 

Die Reformmaurerei nach dem ersten Weltkrieg

Rudolf Steiner schloss seine Memphis-Misraim-Logen des freimaurerischen Ordens „Mystica Aeterna“ zu Beginn des ersten Weltkriegs. Sie sollen zu dieser Zeit mehr als 1.200 Frauen und Männer umfasst haben. Sein früher Tod hat verhindert, dass sich dieser Orden wiederbegründen konnte.

Das Ende des ersten Weltkriegs führte nicht etwa zur Aussöhnung zwischen den verfeindeten Völkern. Das „Friedensdiktat“ von Versailles, wie es in der nationalistischen Presse bezeichnet wurde, belastete die junge Weimarer Republik mit einer schweren Hypothek. Die Lasten der auferlegten Reparationen, die völkerrechtliche Zweitrangstellung des früher stolzen deutschen Kaiserreiches und die Millionen an Toten und Schwerverwundeten verstärkten den Hass der Deutschen gegen die Angehörigen der früheren Feindstaaten. Auch die etablierten Männergroßlogen konnten und wollten sich diesem nationalistischen Sog nicht entziehen. Wie wir im Kapitel „Freimaurerei zwischen den Kriegen“ ausführlich belegen, wandelte sich die deutsche Freimaurerei von kosmopolitischen Ansätzen – mit nur wenigen Ausnahmen - zu einem Hort der Reaktion und des Nationalismus.

Nach Steiners Memphis Misraim versuchte nunmehr die Freimaurergroßloge für Männer und Frauen „Droit Humain“ Logen in Deutschland zu gründen.

Während des ersten Weltkrieges waren die Aktivitäten der Adyar-Theosophischen Gesellschaft aufgrund ihrer englischen Bevormundung fast gänzlich zum Erliegen gekommen. Nach dem Ende des 1. Weltkrieges beauftragten die Engländer die Holländer damit, in Deutschland wieder Fuß zu fassen. Die Holländer hatten den Vorteil, im 1. Weltkrieg keine Krieg führende Macht und damit - in deutschen Augen – kein Feindstaat gewesen zu sein. Im Jahr 1920 gründete der holländische Theosoph Kriusheer beim Verlag Bruno Zechel in Leipzig die Zeitschrift „Die Schwester“. Die Redaktion der Zeitschrift befand sich in Holland. Einige Zeit darauf wurde sie in „Die Frau von heute umbenannt“. Wir haben beschrieben, dass die Theosophische Gesellschaft im Auftrag des „Droit Humain“ außerhalb Frankreichs für Logengründungen zuständig war und auf der ganzen Welt Freimaurerlogen gründete. In den genannten Zeitschriften wurde für die Freimaurergroßloge für Männer und Frauen „Droit Humain“ mehr oder weniger diskret geworben. Die Adyar-Theosophische Gesellschaft unterstellte Deutschland der holländischen Förderation. So konnten sich die deutschen Theosophen, falls sie Leser dieser Zeitschriften waren, über den „Droit Humain“ informieren.

In der Theosophischen Gesellschaft wurden seit der Präsidentschaft von Annie Besant jedem neuen Mitglied außer einer rein nominellen Mitgliedschaft drei Möglichkeiten der Betätigung angeboten:

1.   Dienstorden (Wohltätigkeit auf vielen Ebenen)

2.   Kultische Betätigung in der Liberal-katholischen Kirche (LKK)

3.   Der freimaurerische Mysterienweg im „Droit Humain“ (DH)

Zwischen nomineller Mitgliedschaft bei den Theosophen und dem „Droit Humain“ befand sich immer die „Esoterische Schule“. Dort wurde entschieden, wer in den „Droit Humain“ aufgenommen werden sollte. Eine gleichzeitige Mitgliedschaft in DH und LKK war ohne Aufgabe des bisherigen Bekenntnisses auch möglich.

Auf einem Esperanto-Kongress in Frankfurt/Main fand Dr. Steinberger, ein später führendes Mitglied des DH und des „Universalen Freimaurerordens Humanitas“, Kontakt zur holländischen Theosophischen Gesellschaft und ihren assoziierten Organisationen, also auch dem DH. Dr. Steinberger und Martin Boyken waren vor 1933 die führenden Köpfe der Theosophie und des DH in Deutschland. Allerdings standen sie organisatorisch in der zweiten Reihe. Nach außen repräsentierte immer ein bekannter Name, so z.B. der Bonner Prof. Dr. Johannes Maria Verweyn, der den Theosophen vorstand, zugleich Freimaurer in der „Großen Loge von Hamburg und mit hoher Wahrscheinlichkeit auch beim DH Mitglied war. Verweyn starb 1945 im KZ Bergen-Belsen.

Mit hoher Sicherheit waren Dr. Franz Karl Steinberger als Gründungsmitglied von DH-Logen in Deutschland und George Liebmann, der Großmeister der „Freimaurergroßloge für Männer und Frauen“ (FGL) auch Priester der LKK. Steinberger war auch in der Öffentlichkeitsarbeit sehr aktiv. Im Jahr 1921 gab er eine 16-seitige Broschüre (analog zu den 16 Frauen, die 1893 von Maria Desraimes als erste Mitglieder des DH eingeweiht worden waren) mit dem Titel: „A.I.F. Le Droit Humain – A.I.F. allgemeiner internationaler Freimaurerorden“ auf Deutsch und Esperanto heraus.

Der Einsatz der wenigen Mitglieder des DH in Deutschland war erstaunlich, wenn man bedenkt, mit welchen Widerständen und Vorbehalten Angehörigen ausländischer Großlogen durch die deutsche Freimaurerei begegnet wurde; Gegenseitige Logenbesuche waren nicht erlaubt, Logengründungen wurden als „nicht freimaurerisch“ und „undeutsch“ bezeichnet. Dennoch gelang es dem DH, gestützt auf die deutschen Theosophen, in den 1920er Jahren drei Logen in Städten zu gründen, die als Hauptstadt bzw. internationale Verkehrsknotenpunkte hohe Bedeutung hatten, wo also folglich die Anwesenheit von und Unterstützung durch Ausländer nicht auffiel:

1921      Frankfurt/Main       Loge „Goethe“

1924      Hamburg              Loge „Hansa“

1928      Berlin                    Loge „Zur Erkenntnis“

Alle drei Logen existieren heute noch. Der Aufstieg des Nationalsozialismus machte eine weitere Entwicklung zunichte. Einigen Mitgliedern des DH in Deutschland gelang es einer Einweisung ins KZ durch Emigration zu entgehen. Andere tauchten unter. Wiederum andere unterstanden polizeilicher Aufsicht. Einige passten sich den neuen Verhältnissen an.

Um die Betrachtung der Reform orientierten Freimaurereien abzurunden, möchten wir nachfolgend auch die Geschichte der Großlogen „Freimaurerbund zur aufgehenden Sonne“ (FzaS) und „Symbolische Großloge“ von Deutschland“ betrachten. Beide Großlogen nahmen zwar keine Frauen auf, waren aber im Spektrum der deutschen Großlogen vor 1933 außergewöhnliche Erscheinungen. Sie vertraten konträre Auffassungen: Sie waren politisch aktiv, anti-nationalsozialistisch, anti-monarchistisch, strebten Versöhnung mit den früheren Kriegsgegnern an und propagierten Vernunft, Rationalismus und wissenschaftlichen Fortschritt.

Wir vermuten, dass diese Großlogen im Laufe der Zeit am ehesten ihre Logen für Frauen geöffnet hätten, da sie mit dem „Grand Orient de France“ zusammenarbeiteten, der wiederum die gemischte Freimaurergroßloge „Droit Humain“ anerkannte. Doch zurück zur Geschichte, in der wir uns zunächst auf die Ausführungen von Andreas Hornig stützen:

Um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert hatte Ernst Haeckel (1834 - 1919) mit einem Buch ("Die Welträtsel") ungeheueres Aufsehen erregt. Es schien den Weg zu zeigen, wie man rein wissenschaftlich alle Erscheinungen erklären könne, ohne einen allmächtigen Schöpfer zu benötigen. Das war ein gewissermaßen einspuriger, daher auch als monistisch bezeichneter, Weg; im Gegensatz zu der als dualistisch bezeichneten Weltanschauung, welcher der Glaube an ein Leben im Diesseits und im Jenseits zugrunde liegt. Haeckel war wie Wilhelm Ostwald (1853-1932) und Hyppolyte Tainte (1828-1893) ein physio-monistischer Pantheist.

Ein Pantheist ist ein Vertreter einer Lehre, der das All, ja die ganze Welt zusammen als Gottheit darstellt. Daraus ergibt sich nach Frick eine unpersönliche Auffassung Gottes. Die älteste Form des Pantheismus findet man in der indischen Philosophie.

Der so genannte theomonistische Pantheismus ist weitgehend mit dem Akosmismus (griech.: Nicht-Weltordnung) identisch. Danach ist nur Gott allein existierend, während es eine Eigenexistenz der Welt nicht gibt. Alle Erfahrungen gelten daher nur als Schein. Der Freimaurer-Philosoph Johann Gottlieb Fichte bezeichnete sich als Akosmisten.

Zu den Anhängern des immanent-transzendenten Pantheismus gehörten u.a. Benedicto de Spinoza (1632-77) sowie die Freimaurer und Vertreter des deutschen Idealismus Goethe und Schleiermacher. Nach dieser Lehre spiegelt sich Gott in den Dingen und verwirklicht sich in ihnen. Gott und die Natur müssen daher gleich sein.

Pantheistische Einflüsse finden sich auch in Schellings System der Gleichsetzung von Geist und Natur. Im evolutionistischen Pantheismus nach Hegel verwirklicht sich Gott durch den Werdeprozess der Welt. Das Absolute entwickle sich in der Welt und durch sie hindurch. Zu den Vertretern dieser Form des Pantheismus zählen daher auch die modernen Theosophen und die Freimaurerei für Männer und Frauen des „Droit Humain“.

Der physio-monistische Pantheismus ist eine weitere Hauptform des Pantheismus. Nach seiner Auffassung besteht nur allein die Welt und mit ihr die Natur, die als Ganzheit Gott genannt wird. Damit wird die Eigenexistenz Gottes aufgehoben. Bei Haeckel wird die physische Substanz, die Materie zum Inbegriff des Ganzen. Jede Selbstständigkeit und Eigengesetzlichkeit des nichtphysischen Seins wird geleugnet (Frick). Die seelische Komponente des Menschen wird als Anteil der materiellen Grundbestandteile aufgefasst, die wir heute zwar bis in die letzten Atome chemisch und physikalisch zu analysieren vermögen, ohne damit aber das, was wir als „Leben“ verstehen, in der Hand zu haben oder gar „synthetisieren“ zu können. Alles Geistige ist also für Haeckel wie für Karl Marx nur eine Funktion der Materie. Wilhelm Ostwald leitete aus Haeckels Lehre den energetischen Monismus ab, in dem er das Geistesleben lediglich als Transformation der Energie, die von ihm in physikalischem Sinne als die Fähigkeit eines Körpers, mechanische Arbeit zu leisten, aufgefasst wurde.

Anhänger der monistischen Überzeugung nahmen als sicher an, dass der unaufhaltsame Fortschritt der Wissenschaft die Kirchen und ihre Lehren zwangsläufig im Laufe der Zeit überflüssig machen werde. 

Auf Initiative von Ernst Haeckel wurde 1905 der Deutsche Monistenbund in Jena gegründet, ein antikonfessioneller Zusammenschluss von Freidenkern, der sich in scharfer Polemik vor allem gegen die christlich-dogmatischen Lehren wandte und schlicht und einfach erklärte: "Die Gesamterfahrung der Wissenschaft hat ergeben, dass alles in der Welt mit natürlichen Dingen zugeht."

Ungefähr 3/4 der Freimaurer dieser Zeit gehörten den drei Altpreußischen Großlogen an. Darunter zählten:

  • Die Große National - Mutterloge "Zu den drei Weltkugeln" (GNML3WK gegr. 1744)
  • Die "Große Landesloge der Freimaurer von Deutschland" (GLL-FO gegr. 1774)
  • Die "Große Loge von Preußen", genannt "Royal York zur Freundschaft"  (gegr. 1798)

Nur diesen drei Großlogen war es aufgrund eines königlichen Ediktes bis zum Jahr 1893 gestattet, in den preußischen Staaten Logen zu gründen. Daher die Bezeichnung "Altpreußische Großlogen".

Auf der anderen Seite standen die so genannten "humanitären" Großlogen:

  • Große Loge von Hamburg (gegr. 1811)
  • Große Landesloge von Sachsen (gegr. 1811)
  • Großloge "Zur Sonne" in Bayreuth (gegr. 1811)
  • Große Mutterloge des Eklektischen Bundes in Frankfurt am Main (gegr. 1823)
  • Große Freimaurerloge "Zur Eintracht" in Darmstadt (gegr. 1846)
  • Großloge "Deutsche Bruderkette", Leipzig (gegr. 1924)

Christliche und humanitäre Logen waren in Deutschland aufgrund des Streits um die so genannte "Christliche Frage" entstanden:

Grundlage der englisch bestimmten Freimaurerei ist bis heute das Konstitutionenbuch Andersons in seiner Fassung aus dem Jahre 1723. Dort heißt es in Abschnitt I, dass der Maurer zu der Religion verpflichtet ist, in der alle Menschen übereinstimmen. Über die Auslegung dieser Formulierung herrschte Streit, der innerhalb von Deutschland dazu führte, dass sich zwei Hauptrichtungen herausbildeten; eben die so genannte "christliche" und die so genannte "humanitäre".

Die "christliche" Richtung vertritt die Auffassung, dass Anderson - selbst strenggläubiger presbyterianischer Geistlicher - nur die verschiedenen Formen der christlichen Religion gemeint haben kann, in welcher alle Maurer übereinstimmen sollen. Deshalb machen sie das christliche Bekenntnis zur Vorbedingung für die Aufnahme ihrer Mitglieder. Die Lehrart der „Großen Landesloge“ (GLL-FO) ist bis heute gemäß ihrer Verfassung "auf das Christentum gegründet, das die eigentliche Richtschnur für alles freimaurerische Streben bilden muss". Unter Christentum wird verstanden die "alleinige Lehre Christi, wie sie in der Heiligen Schrift enthalten ist". Die GLL-FO nimmt daher bis heute keine Nichtchristen auf. Bei der „Großen Nationalen Mutterloge zu den drei Weltkugeln" (GNML3WK) findet sich im Ritual von 1770 folgende Bestimmung: "Nur ein Christ kann in unseren ehrwürdigen Orden aufgenommen werden, keineswegs aber Juden, Mohammedaner, Heiden, denn nur die christliche Religion hat die ausschließliche Macht, ein böses Herz wieder gut zu machen." Die liberalste unter den Preußischen Altlogen war die "Royal York zur Freundschaft". Sie hatte am christlichen Prinzip nur bis 1872 streng festgehalten und anschließend ihren Tochterlogen in dieser Hinsicht freie Entscheidung gelassen; 1924 – mit zunehmendem Nationalismus und Antisemitismus in der deutschen Gesellschaft - wurde es aber wieder eingeführt.

Die "humanitären" Logen dagegen legten die "Alten Pflichten" Andersons dahingehend aus, dass die von Anderson geforderte religiöse Toleranz sich auf alle Glaubensbekenntnisse beziehen soll, also namentlich auch auf nichtchristliche. Zwar legten auch sie die Bibel auf den Altar ihres Tempels, aber für sie war die Bibel nicht gleichgesetzt mit der göttlichen Offenbarung und dem Glauben an den persönlichen Christengott sowie die Auferstehung; für die "humanitären" war die Bibel nur Symbol des Glaubens an eine göttliche Weltordnung; nicht das Zeichen einer dogmatischen Bindung an eine bestimmte Konfession.

Aber auch der Abschnitt II der Alten Pflichten, der von der "bürgerlichen Obrigkeit, der höchsten und untergeordneten" handelt, hat viele Debatten ausgelöst. Streit gab es hier um die Formulierungen: "Ein Maurer ist ein friedfertiger Untertan der bürgerlichen Gewalt" und "sollte ein Bruder Empörer gegen den Staat sein, so ist er in seiner Empörung nicht zu bestärken". Die Frage, wie weit ein Maurer ein friedfertiger Untertan zu sein habe, und was unter einem Empörer zu verstehen sei, hat viele Köpfe erhitzt. In denjenigen Logen jedenfalls, die sich in Verfassung und Lehrart ihrem jeweiligen Landesherrn verpflichtet sahen z.B. bei den alt-preußischen, war dann auch von Untertanentreue, von Ehrfurcht und Ergebenheit gegenüber dem Landesherrn die Rede.

Allgemein kann gesagt werden, dass die "christliche" Freimaurerei zu jener Zeit dank der Erinnerung an den königlichen Freimaurer Friedrich den Großen hohe Achtung genoss und die humanitäre - allein schon aufgrund der Zahl ihrer Mitglieder erheblich weniger. Allen gemeinsam war das Gedankengut des Dualismus wie oben beschrieben so entweder in katholisch-christlicher, konservativ-monarchischer oder protestantisch-kirchlicher Ausprägung und diese jeweils verbunden mit der staatstragenden Gesinnung der Zeit; deren Mittelpunkt die gottgewollte Monarchie und das Nationalstaatsbewusstsein bildeten

Da die Entwicklung der Zeit jedoch zugleich immer mehr von den rasanten Fortschritten auf allen Gebieten der Naturwissenschaften geprägt worden war, fand der Gedanke des Monismus bei aufgeschlossenen reformwilligen Menschen Begeisterung, wobei diese Freidenker von ihrem Denkansatz her, dass nämlich die ganze Welt sich rational mit Mitteln der Naturwissenschaft erklären lässt, naturgemäß mit denjenigen in Widerstreit gerieten, die der überkommenen Ideenwelt der gottgewollten Monarchie, des Nationalstaates und des Christentums anhingen.

Mit der Absicht "die Menschen aus den engen Fesseln der dogmatischen und konfessionellen Weltanschauung herauszuheben und sie auf den Boden des reinen Menschentums zu stellen", versuchte der Nürnberger Kaufmann Heinrich Loeberich 1905, nach seinem Austritt aus einer Freimaurerloge, die ihm zu sehr an Bibel und Gott gebunden war, einen "allgemeinen Freimaurerbund auf monistischer Weltanschauung" zu gründen.

Aus der Erkenntnis heraus, dass also die Freimaurerei in dieser überkommenen Ideenwelt gefangen war, weil diese Ideenwelt es gerade nicht zuließ, ganz nach den Geboten der Toleranz und Brüderlichkeit zu leben, wurde somit der Gedanke nach einer auf der Grundlage des Monismus basierenden Reformmaurerei geboren, wobei sich zunächst in Nürnberg 1906 die "Deutsche Freidenkerloge" mit 19 Brüdern konstituierte:

Ihre Ziele waren:

  • Selbsterziehung und Selbstveredelung des Menschen
  • Vervollkommnung der menschlichen Gesellschaft,
  • Gleichberechtigung untereinander,
  • völlige Denk- Glaubens- und Gewissensfreiheit

Am 27.7.1907 wurde in Frankfurt am Main eine Generalversammlung mit immerhin schon 127 Teilnehmern abgehalten, die beschloss, den Namen der "Deutschen Freidenkerloge" in "Freimauerloge zur aufgehenden Sonne" zu ändern. In das Nürnberger Vereinsregister wurde die neue Großloge als "Freimaurerbund zur aufgehenden Sonne" eingetragen. Folgende Besonderheiten kennzeichneten den FzaS:

Es sollte nur nach einem einzigen Ritual und auch nur im ersten Erkenntnisgrad gearbeitet werden, wobei die so genannte "maurerische" Bekleidung abgeschafft wurde, keine Bibel aufgelegt wurde und keine Anrufung Gottes (in Gestalt des Allmächtigen Baumeisters aller Welten) erfolgen sollte. Insbesondere konnten - und das war seinerzeit gegenüber der englisch dominierten Freimaurerei ein Novum - auch nicht Religionsgebundene, so genannte Atheisten aufgenommen werden.

Auf der Grundlage der monistischen Weltanschauung war dies ganz konsequent. Denn wer die Annahme für wahr hielt, dass alles Sein mit Mitteln der Naturwissenschaft erkennbar und erklärbar sei, benötigte einerseits keine weiterführenden Erkenntnisgrade in einem philosophisch-humanitären Lehrgebäude, da sich ein solches schlichtweg erübrigte. Zum anderen konnten natürlich auch die rituellen Bezüge zu Gott oder Religion entfallen und mussten folglich auch in kein auf dieser Grundlage geschaffenes Ritual eingebaut werden. Diese Besonderheiten des FzaS. werden von den existierenden Männergroßlogen als "nicht regulär" bezeichnet. Viele Versuche der Anpassung der anderen Großlogen und des FzaS scheiterten. Der FzaS blieb vor 1933 vom Standpunkt der englisch dominierten Freimaurerei aus illegitim; ein "Kuckucksei der deutschen Freimaurerei". Darunter hatte der FzaS Zeit seines Bestehens zu leiden und viele Mitgliederverluste sind darauf zurückzuführen. Seine Gründer aber erkannten den anderen Männergroßlogen kein Richteramt darüber zu, was rechtmäßig sei und was nicht. Die Echtheit ihres Ringes wollten sie allein durch maurerische Leistungen erbringen.

Am 12.08.1907 wurde der Beschluss aus Frankfurt umgesetzt und die Loge "Zur Wahrheit" als Landesloge des FzaS für Bayern offiziell in der Gastwirtschaft "Stadt Wien" in der Brunnengasse, in Nürnberg gegründet. Ihr erster Meister vom Stuhl ist Bruder Loeberich, der geistige Urheber des Bundes. Vermutlich deshalb wurde die Nürnberger Loge Zur Wahrheit in der Folgezeit als "Mutterloge des FZAS" bezeichnet. Jm Jahre 1908 konkretisierte sich die Forderung vieler Brüder, die Grade des Gesellen und des Meistermaurers in das Ritual aufzunehmen. Damit verbunden war die langsame Abkehr vom reinen Monismus. Schon im Jahr 1911 wandte sich der FzaS vom Gedankengut des Monismus ab, was das Ausscheiden von Loeberich zur Folge hatte. 

Nach dem 1. Weltkrieg nahm der FzaS einen erklärt pazifistischen Kurs ein und bemühte sich um eine Aussöhnung mit den Freimaurereien der ehemaligen Feindstaaten. Schon im Mai 1920 knüpfte der FzaS in Basel erste inoffizielle Kontakte zur „Grande Loge de France“. Ende 1920 erging schließlich das offizielle schriftliche Ersuchen um Aufnahme brüderlicher Beziehungen an den Großmeister der „Grande Loge de France.“ Der FzaS versuchte auch darüber internationale Anerkennung zu erlangen. Der Gründer des FzaS Loeberich war seinerzeit aktives Mitglied der Münchner Loge der von Theodor Reuss geleiteten Memphis Misraim Freimaurerei gewesen.

Auch damit isolierte sich der FzaS von der übrigen Freimaurerei Deutschlands, in der das Schlagwort von der "Schmach von Versailles" genauso für wahr gehalten wurde wie in weiten Teilen der Bevölkerung. Inzwischen arbeiteten in Europa 49 FzaS-Logen mit 1.475 Brüdern. 1921 erkennen "Grand Loge de France" und "Grand Orient de France" den FzaS bei der Gründung der "Association Maconique International" (AMI) als regulär an; der FzaS hat aber 1925 selbst, wegen des Einspruches der holländischen und der amerikanischen Großlogen, auf die Aufnahme in die AMI verzichtet, um nicht direkt abgelehnt zu werden. 1923 existierten 79 FzaS-Logen mit 2.850 Brüdern in Deutschland, der Schweiz, in Österreich, in der Tschechoslowakei und in Ungarn, die noch auf 3.000 anwuchsen. Bekannte Intellektuelle und Nazi-Gegner wie Kurt Tucholsky und Carl von Ossietzky wurden Mitglieder des FzaS. Tucholsky und von Ossietzki waren die Herausgeber der politisch - satirischen Monatszeitschrift "Die Weltbühne". Kurt Tucholsky war ein bekannter Satiriker, Romancier und Kritiker revisionistischer und reaktionärer Kräfte in der Weimarer Republik. Seine Werke wurden von den Nazis verbrannt, er selbst ausgebürgert. Er starb durch Selbstmord. Carl von Ossietzky deckte die geheime Aufrüstung der Wehrmacht auf und kam dafür ins Gefängnis und ins KZ. Für sein Bemühen um Frieden und Abrüstung erhielt 1938 den Friedensnobelpreis, den er nicht annehmen durfte. Er starb an den Folgen langjähriger KZ-Haft. Die Mitgliedschaft bedeutender Geister bescherte dem FzaS ein Geistesleben mit beachtlichem Niveau, dessen Hauptanliegen die Überwindung des deutsch-französischen Gegensatzes war. Zu ihnen gehörte auch der Nobelpreisträger für Chemie Wilhelm Ostwald und der Pastor Emil Felden, der sich durch seine gegen den Konservatismus gerichteten Predigten, durch Vorträge in der außerkirchlichen Öffentlichkeit sowie durch Redaktionsarbeit und selbständige wie unselbständige Publikationen profilieren konnte. Anfang der 1920er Jahre fungierte Felden auch als SPD-Reichstagsabgeordneter. Während der Nazi-Zeit stand Felden unter Überwachung durch die Gestapo.

Die günstige Entwicklung des FzaS konnte allerdings nicht verhindern, dass unter Freimaurern die Einführung einer neuen maurerischen Körperschaft gefordert wurde, die unter Wahrung der englischen Vorgaben anerkannt und in enger Fühlung mit internationalen Organisationen am Ausbau der „Weltbruderkette“ mitarbeiten sollte. 1925-1927 wechselten wegen der Regularitätsfrage 800 Brüder zur Großloge "Zur Sonne" über. 1930 gründeten 600 Brüder die "Symbolische Großloge von Deutschland". Sie erfüllte alle die von der Großloge von England für eine Regularität gestellten Bedingungen und wird in der Folgezeit von ausländischen Großlogen anerkannt – allerdings aufgrund der internationalen Beziehungen nicht von den deutschen Großlogen!

Erster Großmeister wurde Leo Müffelmann, SPD-Mitglied und Huaptgeschäftsführer des Verbandes der leitenden Angestellten (Vela). Leo Müffelmann wurde von seiner Großloge „Zur Sonne“ und fast allen anderen deutschen Großlogen, aufgrund seiner Teilnahme an der „internationalen freimaurerischen Manifestation“ 1926 in Belgrad angefeindet, er tauschte mit dem Großmeister des „Grand Orient de France“ den Bruderkuß aus und engagierte sich vehement für die deutsch-französische Aussöhnung nach 1918. Für die deutsch-völkische, nationalsozialitische Publizistik wurde der Belgrader Bruderkuss und der „Verrat“ eines Freimaurers an seinem Deutschtum zu einem der meistverwendeten Argumente. Aus der Sicht der nationalistischen deutschen Großlogen trieb Müffelmann damit einen zusätzlichen Keil in das nach Neuberger ohnehin „von unsachlicher Polemik belastete Verhältnis zwischen der politischen Rechten und der nationalen Freimaurerei. Dieses nach Kräften zu fördern und zu verbessern, war zwischen 1919 und 1935 das Hauptziel“ der Öffentlichkeitsarbeit insbesondere der alt-preußischen Großlogen.

Aus Sichtweise der Großloge „Zur Sonne“ war daher auch die Anfeindung Müffelmanns konsequent. Nach Neuberger verfügte die Großloge über die Aufnahme nationalistischer Symbolik in das esoterische Lehrsystem der Freimaurerei. 1924 wurde „zur stärkeren Betonung des Vaterländischen in der maurerischen Arbeit“ die deutsche Reichskriegsflagge zum freimaurerischen Symbol erklärt. Dem Großlogenbeschluss zufolge sollte „die Flagge (...) so lange ihren Stand behalten, als noch ein Fußbreit deutschen Bodens vom Feinde besetzt ist.“

1928 trat Müffelmann aus der Großloge „Zur Sonne“ aus und wurde Mitglied bei der Großloge von Wien. Neuberger vertritt die Ansicht, dass der Fall Müffelmann wie kein anderer zeige, wie wenig Gewicht das freimaurerische Toleranzgebot in den deutschen Logen der Nachkriegszeit beigemessen wurde. Die alt-preußischen, christlichen als auch die „humanitären“ Großlogen hatten sich einem kompromisslosen Nationalismus, Monarchismus und Konservatismus verschrieben, der keine linken, weltbürgerlichen und pazifistischen Kräfte neben sich duldete.

1929 wurde er Mitglied des 33. Grades des Alten und Angenommenen Schottischen Ritus (AASR) von Österreich. In Vertretung des Obersten Rates des AASR für Österreich gründete er Logen, die dann zur „Symbolischen Großloge von Deutschland“ zusammentraten, 2 Jahre darauf, waren es schon 26 Logen mit mehr als 1.200 Freimaurern. Die übrigen deutschen Großlogen wandten sich scharf gegen die ihrer Meinung nach „undeutsche Gründung“ und der geschäftsführende Großmeister des Deutschen Großlogenbundes erklärte gegenüber dem Obersten Rat des AASR für Österreich: „(...) In einer vom deutschen Standpunkt nicht entschuldbaren Weise haben Sie und Ihre Freunde mit Hilfe einer Großloge des Auslandes, mit der die deutsche Freimaurerei keine Verbindung hat, die Berechtigung, sich Freimaurer zu nennen, durchgesetzt. Mit Ihren freunden glauben Sie, sich nunmehr als gleichberechtigte Hochgradfreimaurer uns an die Seite stellen und von uns Anerkennung und Förderung erwarten und beanspruchen zu können. Der Deutsche Großlogenbund ist anderer Auffassung.“ Ebenfalls unter dem Siegel des Deutschen Großlogenbundes erhoben die Vertreter von acht deutschen Großlogen in einer Bekanntmachung „feierlichen Einspruch“ gegen die Gründung der „Symbolischen Großloge“ und erklärten deren Anerkennung auch für die Zukunft für ausgeschlossen.

Ungeachtet dieser Anfechtungen wurde die „Symbolische Großloge“ bereitwillig in die Organe der internationalen Freimaurerei integriert, so bereits 1930 in die „Association Maconnique International (AMI). Die ausländischen Großlogen brachten außerordentliches Interesse für die politische Entwicklung Deutschlands auf. Diese wurde mit großer Sorge betrachtet. Die Fortschritte des Nationalsozialismus waren alarmierend, da die Vernichtung der italienischen Freimaurerei durch Benito Mussolini gezeigt hatte, dass zwischen Freimaurerei und den in vielen europäischen Ländern keimenden faschistischen Bewegungen keine Kompromisse möglich waren. Die Heranbildung von Großlogen, die den in der alt-preußischen und anderen Großlogen vorherrschenden Tendenz nach Anpassung an nationalistische Kräfte entgegenzuwirken versuchten, wurde somit begrüßt und unterstützt.

Die weiterhin in der Tradition des frankophilen FzaS arbietende „Symbolische Großloge“ war der säkularen, französisch-romanisch orientierten Freimaurerei zuzuordnen. Gegenüber den angelsächsisch-humanitären und skandinavisch-christlichen Freimaurereien, die das karitative bzw. esoterisch-mystische Element betonten, stellte die französisch-romanische Freimaurerei die aufklärerische Komponente in den Vordergrund der maurerischen Arbeit (Neuberger). Die Indifferenz gegenüber religiösen Fragen entsprechend dem Vorbild des „Grand Orient de France“ wurde von der religiös orientierten deutschen Freimaurerei, die sich an angelsächsischer oder skandinavischen Vorbildern orientierte, missbilligt.  

Der FzaS, der auch zur romanischen Freimaurerei zu zählen war, und die „Symbolische Großloge“ orientierten sich wie gesagt an der Haltung des „Grand Orient de France“, dessen Großmeister Arthur Groussier auf dem Konvent von 1927 äußerte: „Es ist wahr, dass wir nicht von dem ausgesprochen religiösen Geist der angelsächsischen Logen durchdrungen sind. Wenn wir uns aber im Laufe der Zeit so entwickelt haben, wie s geschehen ist, und uns zur uneingeschränkten Freiheit des Denkens bekennen, haben nicht andere Obedienzen (damit werden die Großlogen bezeichnet, Anm. der Autoren) sich von den Grundsätzen, die Duldsamkeit, Sittlichkeit und Brüderlichkeit heißen und in unserer Konstitution (gemeint ist die von Anderson 1723, Anm. der Autoren) verankert sind, einigermaßen entfernt und sich einer der Konfessionen angenähert? Wir machen ihnen daraus keinen Vorwurf. Wir hegen vollste Achtung vor ihrem Glauben (...) wir verlangen nur, dass die Andersgesinnten dessen eingedenk sein mögen, dass die Toleranz eine der freimaurerischen Haupttugenden ist. Mögen sie ihre Dogmen beibehalten, wenn ihr Glaube ihnen dies vorschreibt, mögen sie aber auch uns für unseren Teil erlauben die unbedingte Unanfechtbarkeit der Dogmen zu bestreiten (...) Gewiss, wir haben in diesem zwanzigsten Jahrhundert auch Materialisten in unseren Reihen. Aber schon im 18. Jahrhundert waren hervorragendste Vertreter dieser Richtung Mitglieder unserer Logen. Ist es denn verwunderlich, dass gerade sie, von den Glaubensgemeinschaften erbarmungslos verfolgt, Zuflucht im Tempel der Denkfreiheit suchten? Aber man findet in unseren Logen auch reine Spiritualisten, denn der Grand Orient (de France) verkündet ja keine Lehrmeinung, also weder Atheismus, noch Materialismus, noch Deismus. Er hütet sich davor, seinen Mitgliedern vorzuschreiben, bestimmte Grundsätze anzuerkennen oder andere abzulehnen, er fordert seine Brüder nur auf, denkende Menschen zu sein“.

Die „Symbolische Großloge“ war nach Neuberger innerhalb der deutschen Freimaurerei die kleinste, jedoch die weltanschaulich geschlossenste Vereinigung. Ihre Entstehung verdankte sie einem politischen Willensakt jedes einzelnen ihrer Mitglieder. Diese Großloge betrachtete die parlamentarische Demokratie als einzige den freimaurerischen Idealen gemäße Staatsform und stand daher der Weimarer Republik völlig loyal gegenüber. Viele ihrer Mitglieder sympathisierten mit Vorstellungen der SPD oder waren dort selbst Mitglied. Aus dieser politischen Haltung heraus resultierte eine kompromisslose Ablehnung nationalistischen oder gar völkisch-rassistischen Gedankengutes und Engagement für Internationalismus und Pazifismus.

1932 fand zum 25jährigen Jubiläum des FzaS, in Nürnberg, im Deutschen Hof, der letzten Großlogentag vor der nationalsozialistischen Machtübernahme statt. Unter den Delegationen waren auch "Grand Loge de France" und "Grand Orient de France" vertreten. Max Seber, der FzaS-Großmeister, ruft alle Brüder Meister zu geistigem Widerstand gegen das drohende NS-Regime auf - im Gegensatz zu anderen Deutschen Großlogen, die sich nach der Machtergreifung 1933 den Nazis erst anbiederten und 1935 aufgelöst wurden. Im Frühjahr 1933 erfolgte die offizielle Auflösung des FzaS. Auch der Großmeister der „Symbolischen Großloge von Deutschland“, Leo Müffelmann, lehnte eine Anpassung an die neuen Machthaber strikt ab. Er ordnete die Schlafenlegung der Großloge und ihre Verlegung ins Exil an. Das Vermögen der Großloge wurde unter den Mitgliedern verteilt und das Inventar eingelagert. Im Juni 1933 berief Müffelmann die engsten Mitglieder des Großlogenvorstandes nach Frankfurt/Main, um über die Verlegung ins Exil zu beschließen. Das Treffen fand unter konspirativen Voraussetzungen statt. In einem Bahnhofsrestaurant erfuhren die Mitglieder eine Adresse für das abendliche Treffen. In einem provisorischen, mit maurerischen Symbolen geschmückten Raum kamen sie zusammen. Nach kurzer Lagebesprechung wurde die Verlegung der Großloge ins Exil beschlossen. Bald darauf die "Symbolische Großloge von Deutschland im Exil" in Jerusalem durch Leo Müffelmann konstituiert. In Palästina bestand eine Auslandsloge namens „Zur Quelle Siloah“. Er gründete vier weitere Logen und brachte das maurerische Licht in diese neue Exil-Großloge ein. Die fünf Logen arbeiteten in Palästina und bewahrten so im Exil das anti-nazistische, freimaurerische Licht Deutschlands. Die „Symbolische Großloge im Exil“ hat das so genannte „Tausendjährige Reich“ und Weltkriegswirren überstanden. 1949 ist von dort aus das anti-nazistische, freimaurerische Licht nach Deutschland zurückgekehrt. Die von Leo Müffelmann gegründeten Logen bildeten den Grundstock der späteren Großloge von Israel.

Im Sommer 1933 verhaftete die Gestapo führende Mitglieder der „Symbolischen Großloge“ unter anderem Müffelmann und den Großsekretär Raoul Koner. Zum ersten Mal waren Freimaurer aufgrund ihrer Logenzugehörigkeit verhaftet worden. Bei beiden Freimaurern mag auch ihre SPD-Mitgliedschaft zusätzlich eine Rolle gespielt haben. Leo Müffelmann starb an den Folgen der wiederholten KZ-Inhaftierungen; er wurde lediglich 53 Jahre alt.

Das Inventar des FzaS. wurde von der Gestapo beschlagnahmt und vernichtet. Die Mitglieder des FzaS waren - sofern sie nicht freiwillig ins Exil gegangen - Verfolgungen und Repressalien ausgesetzt. Mitglieder der Nürnberger FzaS-Loge wie Rechtsanwalt Justizrat Dr. Schloss, Rechtsanwalt Dr. Wertheimer, Pitroff, Staatssekretär a.D. und Stahl, nach 1945 Polizeipräsident von Nürnberg wurden ins KZ gebracht. Die beiden ersten kamen darin um. Sofern es ihnen möglich war, trafen sich die übrigen FzaS-Mitglieder in der Zeit bis 1945 zwanglos und unverdächtig im Rahmen von Kegel-, Wander-, und Gesangsvereinen, im häuslichen Bereich sowie in verschiedenen städtischen Einrichtungen und hielten so Kontakt zueinander. Die Verfolgungen wären noch zahlreicher gewesen, hätten die Mitglieder es nicht verstanden, das Mitgliederarciv des FzaS vor dem Zugriff der Gestapo zu retten. Es wurde in einem Haus eines Freimaurers eingemauert und verbrannte 1943 bei einem Bombenangriff.

Die Bestrebungen, den "Freimaurerbund zur aufgehenden Sonne" neu entstehen zu lassen, waren nicht von dauerhaftem Erfolg gekrönt. Sofern seine Einzellogen nach 1945 überhaupt wieder begründet wurden, schlossen sie sich schließlich 1949 mit der überwiegenden Mehrzahl der Logen anderer humanitärer Obödienzen in der "Vereinigten Großloge der Freimaurer von Deutschland" zusammen. Sie wurde am 19.6.1949 gegründet. Dieser Zeitpunkt war auch der Anlass, das in Israel in der „Symbolischen Großloge“ bewahrte freimaurerische, anti-nazistische Licht nach Deutschland zurückzubringen. Das exliierte Licht wurde symbolisch an den ersten Großmeister der neuen deutschen Großloge, Dr. Theodor Vogel überreicht.

 

 

Androgyne Freimaurerei ab dem 18. Jahrhundert

Die Geburtsstunde der heutigen Freimaurerei wird gerne in das Jahr 1717 gelegt. Dies ist, wie wir gesehen haben, nicht ganz richtig. Dennoch ist diese Jahreszahl bedeutend, da erstmals vier Logen mit der Gründung der „Großloge für London und Westminster“ an die Öffentlichkeit traten.

Schon vorher hatte die Freimaurerei nicht im Verborgenen gearbeitet. Schließlich war um 1685 der Herzog von Richmond, ein illegitimer Spross des Stuartkönigs Karl II. Großmeister gewesen.

Im weiteren Verlauf nach 1717 gab die neue Großloge mit der Abfassung der „Old Charges sozusagen eine Loyalitätserklärung gegenüber dem neuen Hannoveranische Königshaus heraus.

Der Freimaurerei wurden vorher geheimbündlerische Aktivitäten zugunsten des 1688 gestürzten englisch-schottischen Königshauses der Stuart nachgesagt. Erst durch diese Loyalitätserklärung erhielt die neue englische Großloge Zulauf und Unterstützung aus Hocharistokratie und neuem Königshaus und durfte ab 1813 beanspruchen, die alleinige maurerische Körperschaft in England zu sein.

Aus diesem Alleinvertretungsanspruch heraus trat sie ihren Siegeszug in den meisten europäischen Ländern und europäischen Kolonien an.

Die Rituale, Vorschriften und Pflichten der neuen Großloge aus vielen Quellen zu einem neuen Ganzen zusammengefügt. Anderes wurde weggelassen oder unterschlagen.

Beispielsweise wurde nunmehr die Rolle der Frau in Mystik, Ritual und Vorläuferorganisationen vollkommen ignoriert.

Dies wird in der Historie der neuen Großloge deutlich, die von Reverend James Anderson 1723 vorgestellt wurde. Sie ist im symbolischen Stil der Bibel verfasst und enthält im gleichen selbstverständlich Überzeichnungen, den Ursprung der Großloge betreffend.

Eine Historie, die den Beginn des Freimaurerbundes über Noah und Moses bis hin zu Adam verlegt, ist natürlich unwissenschaftlich. Aber darauf kam es Anderson genauso wenig wie Ramsey 1737 mit seinem berühmten „Discours préliminaire“ an.

Die freimaurerische Geschichtsschreibung sollte aus politischen Gründen keinen Platz für andere Großlogenformen lassen.

Des weiteren wird mit Andersons Historie und Ramseys „Discours“ suggeriert, dass es bereits zu Gründung ein einheitliches, nicht veränderbares Ritual und Geschichtsbild der Freimaurerei gegeben habe, etwas, das es, wie wir bereits ausgeführt haben, niemals gegeben hat.

Dies wird besonders deutlich, wenn wir uns den dritten Grad, also den Meistergrad betrachten.

„In der Frühzeit des 18. Jahrhunderts hat eine Todeslegende in der Freimaurerei bestanden“  die aber nicht die Hiram-Sage, die wir von den Baumeistern des 9. Jahrhunderts her kennen, gewesen sein muss.

Das Graham-Manuskript, dessen Ursprung umstritten ist, manche datieren es auf das Jahr 1726, andere verlegen seine Entstehung in die Mitte des 17. Jahrhunderts, beinhaltet eine Erzählung über Noahs Söhne und steht in direkter Verbindung mit der Meistererhebung im dritten Grad.

Diese Geschichte weist Parallelen mit der Version der Hiramslegende auf, die den heutigen Freimaurern sehr gut bekannt ist: „Alles, was die neue Welt dringend brauchte, war in Noahs Arche gewesen. Nun gingen dessen drei Söhne, die etwas zu finden begehrten, das sie zu einem wertvollen Geheimnis in ihres Vaters Besitz führte, zu Noahs Grab und machten vorher aus, wenn sie nicht die Sache selbst fänden, so sollte das erste Ding, auf das sie stießen, als das Geheimnis gelten.

Sie fanden im Grabe nichts weiter als den toten Leib.

Als man den Finger ergriff, löste er sich ab. Dasselbe geschah mit dem handgelenk und dem Ellenbogen. Darauf richteten die Söhne den toten Körper auf und stützten ihn dabei, in dem sie Fuß an Fuß und Knie an Knie setzten und Brust an Brust, Wange an Wange und die Hand auf den Rücken legten. Danach sagte einer: Hier in dem Knochen ist noch Mark. Und der andere sagte: Nein, es ist nur ein trockener Knochen. Der dritte: Er stinkt. Und so kamen sie überein, ihm einen Namen zu geben, wie er der heutigen Freimaurerei noch bis zum heutigen Tag bekannt ist.

Die Ähnlichkeit der Noah- und der heutigen Hiramslegende ist sehr auffällig. Beide haben „dasselbe Leitmotiv“ (Bankl), nämlich den Versuch, von jemandem ein Geheimnis zu erhalten – bei der Noah-Geschichte von einem Toten, in der alten Hiramslegende von einem (noch) Lebenden.

Wann hat die Verschmelzung beider Geschichten stattgefunden? Die Geschichtsschreibung diskutiert zwei Wege, über welche die Hiram-Sage in des Ritual der Meistererhebung eingeführt worden sein könnte:

Als Mysterienspiel der Bauhütten oder als Dramatisierung der Hiramslegende als Initiations- und Reinkarnations-Ritus. Wie wir gesehen haben, ist aber die Hiramslegende zum ersten Mal bei den islamischen Baumeistern des 9. Jahrhunderts aufgetreten. Mittelalterliche Zünfte stellten biblische Episoden in vereinfachter. leicht verständlicher und dramatischer Version im Rahmen von Kirchen- oder Mysterienspielen dar.

Möglicherweise war das Thema der Bauhütten die biblische Beschreibung des salomonischen Tempelbaus. Wie hätten allerdings Institutionen, die derart eng mit ihren kirchlichen Auftraggebern verbunden waren, Zugang zu ketzerischen Sagen und Legenden finden können? 

Es ist nicht bekannt, ob die Noah-Erzählung bereits vor 1723 rituell bearbeitet worden ist. Da aus dieser Zeit so gut wie keine Dokumente vorliegen, scheint alles möglich. In den „Old Charges“ von 1738 wird jedoch festgelegt: „Ein Maurer ist durch seine innere Haltung verpflichtet, das Moralgesetz als echter Noachide zu befolgen (...) sie stimmen überein in den drei großen Forderungen Noahs.“ Was immer über die Forderungen des Noah bekannt war, muss schon früher bekannt gewesen sein.

Nur was Noah zugeschrieben wurde, wissen wir heute nicht mehr. Es kann aber – ausgehend vom oben beschriebenen Text - kein Brauchtum der Bauhütten gewesen sein, sondern Moralvorschriften und Erkenntnisse aus externen Quellen außerhalb der Steinmetzzünfte.

So verhält es sich auch mit der alten Hiramslegende, die bis 1723 in Andersons „The Constitutions of the Free-Masons...“ nicht Bestandteil der freimaurerischen Ritualistik war. Die Hiramslegende, wie wir sie kennen, tritt erst um 1730 in Samuel Prichard’s Verräterschrift „Masonry dissected“ als freimaurerisches Ritual auf.

Das heißt nichts anderes, als dass zwischen 1723 und 1730 die Hiramslegende mit der Geschichte des Noah rituell zusammengefügt und als Meistergrad konstituiert wurde. Wie wir bereits gesehen haben, ist die Hiram-Sage „ein Element der biblisch-jüdischen, aber auch der islamischen Tradition in der Freimaurerei  Die Sage von Hiram wurde erst dann Bestandteil der Freimaurerei als der Bau des Salomonischen Tempels zum Symbol des Baus am Tempel der Menschheit erhoben wurde.

Dies geschah aber nicht in den Bauhütten des Mittelalters. Die ersten, die dieses Symbol verwendeten, waren die Baumeister des 9. Jahrhunderts! Zugegeben, die Freimaurerei unserer Tage hat sich ein paar Begrifflichkeiten und Symbole aus dem Brauchtum der Bauhütten entlehnt. Die eigentlichen Inhalte stammen aber – wie wir anhand der Baumeister gesehen haben - aus anderen Quellen. Nun haben wir schon so viel von der Hiram Legende gesprochen. Sie haben verstanden dass Freimaurerei sehr viel mit Mysterien zu tun hat.

Die Freimaurer haben ihre eigene Mysteriengeschichte: die Hiramslegende. Davon wollen wir wie folgt einen Auszug geben. Viele Motive werden Sie wieder erkennen. Die Rituale der Freimaurer und alles was sie symbolisch ausmacht bauen auf der Hiramslegende auf.

Als der Ruf von der Weisheit und den Bauten Salomos ben David in alle Lande drang, 5. erschien auch Balkis, die Königin von Saba, in Jerusalem, um den Weisen, wie er sich selbst betiteln ließ, zu begrüßen, ihm prächtige Geschenke zu bringen und drei Rätsel aufzugeben, de mit denen sie seine Weisheit prüfen wollte. Salomo jedoch hatte schon vorher den Hohepriester von Saba bestochen und die Rätsel erfahren. So konnte er seinen Hohepriester Zadok die Lösung der Rätsel vorbereiten lassen und bestand vor der Königin als Weiser.

Salomo zeigte der Königin seine Herrlichkeiten und den Tempel, den er zu Ehren Jehovas — doch dieser Name wurde nicht ausgesprochen, man sagte Adonai — eben erbaute. Die Königin aber wurde überall, wohin sie ging, von einem kleinen Vogel, von einem Wiede­hopf, Jud-Jud gerufen, begleitet.

Als sie nun im Tempel zu dessen Fundament kamen und einen Weinstock dort mit der Wurzel ausgerissen und achtlos beiseite geworfen sahen, schrie der Vogel kläglich auf. Balkis erfasste sofort, was der ausgerissene Weinstock, an dessen Stelle Salomo einen prächtigen Opferaltar errichten wollte, zu bedeuten habe.

Sie sagte zu Salomo: „Du hast deinen Ruhm auf dem Grabe deiner Väter aufgebaut. Wisse denn: der letzte König aus deinem Stamm wird wie der letzte Verbrecher an eben das Holz geheftet werden, das für dich heilig sein müsste."

Die Augen der Königin von Süden entzündeten Liebe in Salomos Herzen. So warb er um sie. Sie willigte ein, Königin in Israel zu werden.

Als er sie aber wieder in den Tempel führte und ihr die neuen Arbeiten zeigte, die gemeißelten Säulen, die gegossenen Erzbilder, den getriebenen Altar und die Vorbereitungen zum Gusse des „eheren Meeres", erfuhr sie, daß alles dies das Werk eines sonderbaren, menschenscheuen Mannes mit Namen Adonhiram sei. Ihn hatte der König von Tyrus an Salomo gesendet. Die Königin ward begierig, ihn von Angesicht zu sehen.

Von Adonhiram wusste kein Sterblicher weder seine Heimat, noch seinen Stamm, noch sein Gesicht. Wenn der geheimnisvoll düstere Mann einsam unter Menschen ging, verachtete er sie mit Recht. Denn der da unter den Kindern Adams wohnte, stammte nicht von den Menschen ab. Wohl war die Mutter der beiden erstgeborenen Brüder Kain und Abel, Eva, auch seine Mutter, aber nicht Adam war sein Vater. Dieser war vielmehr der Lichtengel Iblis-Luzifer. Ihn hatte die Schönheit Evas entflammt.

Sie hatte sich ihm nicht zu entziehen vermocht. Die Seele Kains war somit ein Funke der Seele Luzifers. Aus diesem Grunde stand sie unendlich höher als die Seele Abels.

Dennoch war Kain gut zu Adam, und zu Abel. Gott aber, voll Eifersucht auf den Genius, den Luzifer Kain vererbt hatte, vertrieb Adam und Eva zur Strafe für Evas Buhlschaft mit dem Lichtengel aus dem Paradies.

Adam und Eva fingen an, Kain zu hassen, weil er die unschuldige Ursache ihrer Vertreibung war. Alle ihre Liebe widmete Eva zukünftig dem Abel. Der wurde durch die ungerechtfertigte Bevorzugung hoch­mütig und vergalt Kains Liebe mit Verachtung.

Die beiden Brüder Kain und Abel hatten eine Schwester mit Namen Aklinia. Diese war durch Neigung mit Kain verbunden. Aber der eifersüchtige Gott bestimmte sie Abel zum Weibe. Der aus Lehm geschaffene Adam hatte eine Sklavenseele, so auch Abel, sein echter Sohn. Die Seele Kains jedoch, die ein Funken von Luzifer darstellte, war frei. Gott fing an, die freie Seele zu fürchten. Adonais Ungerechtigkeit, der Undank der Eltern und des Bruders veranlassten schließlich Kain, den undankbaren Abel mit dem Tode zu bestrafen. Daraufhin erklärte der ungerechte Gott, der das ganze kommende Geschlecht der freien Nachkommen Kains zu vernichten beabsichtigte, den Tod Abels als unsühnbar.

Aber der edle Sohn Luzifers wollte den Schmerz Adams und Evas lindern und widmete sich dem Dienst von Adams Kindern.

Er lehrte sie den Ackerbau.

Sein Sohn Henoch weihte sie in die Geheimnisse des sozialen Lebens ein. Dessen Nachkomme Methusalem lehrte sie die Schriftzeichen. Lamech zeigte ihnen die Vielweiberei.

Dessen Sohn Thubalkain unterrichtete sie in der Erz- und Eisenarbeit. Thubalkains Schwester Naema wiederum, die seine Frau war, lehrte sie spinnen und weben.

Dieser Geschwisterehe entsprang Vulkan, der Schmied. Er drang in die Tiefen der Erde hinab und rettete sich in einem Schlunde des Ätnas, als die Sintflut kam.

Später beschlief er die Frau Harns, des einen der drei Söhne Noahs. Der Sohn dieser Verbindung, Chus, zeugte Nimrod, den großen Jäger. Nimrod war Adonhirams Ahne.

Adonhiram, der Nachkomme des Feuergenius, lebte düster und einsam unter den Kindern Adams. Niemand verriet er das Geheimnis seiner hohen Abstammung. Allen flößte er Furcht ein. Aber die Königin von Saba entbrannte in Liebe zu ihm, als er vor sie berufen wurde.

Voll Bewunderung für seine genialen Werke begehrte sie das Heer seiner Arbeitskräfte zu sehen. Salomo, von Neid erfüllt, erklärte, das sei unmöglich. Doch Adonhiram zog nur eine waagerechte Linie, von deren Mitte eine senkrechte nach unten, also das mystische Tau (T).

Sogleich eilten alle Meister, Gesellen und Lehrlinge herbei, wie weit sie auch auf ihren Arbeitsstätten verstreut und verschieden von Stamm und Sprache waren.

Ihrer mehr als hunderttausend Mann stellten sie sich auch sofort in Reih und Glied auf. . . Da erkannte Balkis, daß er mehr als ein Mensch sei. Sie bereute ihr voreilig Salomo gegebenes Ehever­sprechen. Der aber bemerkte, eifersüchtig geworden, die auf Adonhiram ruhenden Blicke der Königin.

Aber wie groß und mächtig Adonhiram auch war, feindliche Geschicke wirkten ihm entgegen. Sie vereitelten seinen Triumph in den Augen der geliebten Königin. Unzufriedene Arbeiter waren der Anlaß zu seinem Unglück. Die Tausende von Arbeitern am Tempel waren eingeteilt in Lehrlinge, Gesellen und Meister.Sie erhielten allwöchentlich ihren Lohn an der für sie bestimmten Stelle: die Lehrlinge an der Säule Jachin, die Gesellen an der Säule Boas und die Meister in der mittleren Kammer . . .

Nun waren drei Arbeiter mit ihrer Stellung als Gesellen unzufrieden und begehrten eine höhere. Es waren dies ein Syrer, der Steinmetz Phanor, ein Phönizier, der Zimmermann Amru, und ein Jude, aus dem Stamme Rüben, der Metallarbeiter Methusalem.

Diese drei forderten die Erhebung in den Meisterstand und damit auch die Mitteilung des geheim gehaltenen Meisterwortes. (Um bei der Löhnung das ihrem Grad entsprechende Arbeitsentgelt zu erhalten, mussten sie zur Kontrolle dem Zahlmeister das (geheime) Gradwort ins Ohr flüstern.) Adonhiram verweigerte ihnen das geheime Wort.

Sie rächten sich hierfür beim Guss des „ehernen Meeres". Phanor mischte als Maurer Kalk in die Ziegelerde, die für die Form dienen sollte; Amru als Zimmermann machte die Balken unter der Form länger, als sie sein sollten, damit sie beim Guss in Brand gerieten und Methusalem mengte als Metallarbeiter in den Gus Schwefel aus dem vergifteten Meer von Gomorra.

Diesen Verrat erfuhr ein Adonhiram zugetaner junger Arbeiter mit Namen Benoni. Er lief daraufhin zu Salomo und flehte ihn an, den Guss nicht stattfinden zu lassen.

Salomo jedoch freute sich, als er dies erfuhr. Jetzt sollte sein Rivale bei der Königin kläglich zuschanden kommen. Er befahl trotz der Warnung den Guss. Die von den verräterischen Gesellen verderbte Form barst unter dem Druck des flüssigen Erzes. Aus den Rissen spritzte flüssiges Feuer. Adonhiram, von der Erscheinung verwirrt, befahl, Wasser auf die Stützpfeiler zu gießen.

Dieses verwandelte sich jedoch durch die Glut des Feuers in Dampf, der wiederum das flüssige Erz umherschleuderte. Tod und Verderben wurde unter die Menge des dem Guss beiwohnenden Volkes gesät. Benoni fand bei dem Versuch, das Unglück zu verhüten, den Tod.

Der große Meister stand vor der Königin in Schimpf und Schande.

Da hörte er aus der Tiefe des rasenden Feuers dreimal geheimnisvoll seinen Namen rufen. Ein Genius des Feuers rief ihn. Unter seinem Schutz betrat Adonhiram das verderb­liche Element, das ihm nun nichts mehr anhaben konnte.

Die Erscheinung führte ihn zu seiner unaussprechlichen Seligkeit in den Mittelpunkt der Erde, in das Zentrum der Welt­seele, in das Reich Kains, wo die Freiheit thront.

Bis hierin reichte die Tyrannis (des bösen Gottes) Adonai nicht. Dort kann man, seine ohnmächtige Wut verlachend, die Früchte des Baumes der Erkenntnis genießen. „Da ist das Reich deiner Väter", sagt die Erscheinung zu ihm. „Wer bist du? " fragt Adonhiram. Die Erscheinung antwortet: „Ich bin der Vater deiner Väter, ich bin der Sohn Lamechs, der Enkel Kains, ich bin Thubalkain." Im Heiligtum des Feuers offenbarte Thubalkain dem Adonhiram das Geheimnis von Adonai. Dieser sei der Feind seines eigenen Geschöpfes, weil er ihm für das Wissen, das ihm die Geister des Feuers verliehen, den Tod bestimmte.

 Auch Adonais niedrige Leidenschaften enthüllte der Ahnherr dem Adonhiram, auch seine Ohnmacht und den endlichen Sieg des höheren Geistes und Gebieters des Feuers. Schließlich erscheint Luzifer selbst und Kain erzählt ihm die leidvolle Geschichte Adonhirams. Er stellt ihm jene seiner Ahnen vor, die noch vor der Sintflut, dieser grausamen Rachetat Adonais, lebten und ihm, Kain, huldigten. Die sich nach der Sintflut zu ihm bekannten, konnte er Adonhiram nicht zeigen, da die Erde ihre Leiber noch verwahrt.

Die Seelen aber sind schon in die Seele Kains eingegangen, die zugleich die Weltseele ist. Am Schluss hörte Adonhiram noch die Stimme Vulkans, der ihm eine glorreiche Zukunft seines Geschlechts weissagte.

„Du wirst", sagte Vulkan, „einen Sohn haben, den du aber nie erschauen wirst. Er wird eine große Nachkommenschaft zeugen. Dein Geschlecht wird unendlich höher sein als das Geschlecht Adams. Trotzdem wird jedoch das seine das deine unterwerfen.

Viele Jahrhun­derte lang wird dein edles Geschlecht seine Kraft und seinen Genius der hingebenden Arbeit an dem undankbaren und sinnlosen Geschlecht widmen.

Aber es wird der Tag kommen, da die besten die Stärksten sein werden. Sie werden den Glauben an den Gebieter des Feuers wieder aufrichten.

Deine Kinder, vereint unter deinem Namen, werden die Macht der irdi­schen Könige wie ein Tongefäß zerschlagen, denn diese sind die Vertreter des Tyrannis Adonais auf Erden. Gehe deiner Bestimmung entgegen, mein Sohn! Die Genien des Feuers seien allezeit mit dir!"

Aus dem Heiligtum des Feuers ward Adonhiram auf die Erde zurückgeführt. Für einen Augenblick kehrte auch Thubalkain mit ihm zurück. Der übergab ihm zum Abschied einen Hammer, mit dem er einst den Schlund des Ätnas eröffnet hatte.

 Der Hammer sollte seine Kräfte neu beleben und es ihm möglich machen, das „eherne Meer" zu vollenden. Mit seiner Kraft besserte Adonhiram im Nu seine Schöpfung aus. Schon am nächsten Morgen konnte sie das Volk und die Königin vollendet schauen. Das Staunen hierüber war ungeheuer. Nur Salomos Herz war voll Finsternis und Hass.

Da ging Balkis mit ihren Frauen außerhalb der Mauern Jerusalems. Von einer Ahnung geleitet, suchte sie die Einsamkeit. Auch Adonhiram ging, zuwider der Lobpreisung durch die Kinder Adams, dorthin.

Sie fanden sich und gestanden sich ihre Liebe.

Da machte Adonhiram das Zeichen des mystischen T in die Luft. Sogleich flog der kleine Vogel Jud-Jud als Sendling des Genius des Feuers, der ohnehin Salomo abgeneigt war, heran und flatterte um Adonhiram herum, um sich voller Freude auf seine Hand zu setzen.

Da erkannte die Amme der Balkis in ihm Zahrahel. Sie sagte zu Balkis: „Die Prophezeiung des Orakels hat sich erfüllt. Jud-Jud hat den Gatten erkannt, den die Genien des Feuers Balkis vorbestimmt haben. Mit ihm allein darfst du dich vereinigen, ohne das Gesetz zu übertreten."

Ohne Zögern gaben sich Balkis und Adonhiram einander hin. Wie jedoch sollten sie der Eifersucht Salomos entgehen? Wie das ihm gegebene Versprechen einlösen? Da beschlossen sie, daß zuerst Adonhiram Jerusalem heimlich verlassen sollte, nach ihm dann Balkis, auf daß sie einander für immer angehören konnten. Aber die Feinde waren wachsam. Phanor, Amru und Methusalem hinterbrachten dem König die intimen Beziehungen Adonhirams zu Balkis. Salomo berief den Hohepriester Zadok und beriet mit ihm die Rache. Als dann am anderen Morgen Adonhiram vor den König trat und ihn in seine Heimat zu dem guten König Hiram zu entlassen bat, da ja der Tempelbau vollendet sei, gewährte ihm Salomo seine Bitte und versicherte ihn seines unwandelbaren Wohlwollens.

Hinterher rief er aber die drei Gesellen zu sich und sagte zu ihnen: „Adonhiram verlässt uns. Er wird heute zum letzten Male den Arbeitern den Lohn auszahlen. Nun sind etliche Meister gestorben, die müssen ersetzt werden. Geht denn heute Abend nach der Auszahlung zu Adonhiram und verlangt von ihm, daß er euch in den Meisterstand einweihe. Weiht er euch ein, so habet ihr auch mein Vertrauen. Tut er es nicht, kommt morgen zu mir. Dann werde ich mein Gericht über ihn halten, wenn nicht etwa Gott ihn bis dahin schon verlässt und ihm das Mal seiner Abkehr von ihm aufdrückt."

Balkis unterdessen nahm Abschied von dem Geliebten und begab sich zu dem Fest­gelage, das Salomo für sie bereitet hatte. Bei dem Fest trank Salomo unmäßig und ward in seiner Lüsternheit immer zudringlicher gegen die Königin. Die munterte ihn noch immer mehr zum Trinken auf. Als er völlig betrunken war, zog sie ihm den Ring vom Finger, mit dem sie sich ihm verlobt hatte. So war sie ihres Versprechens ledig. Ein arabischer Hengst trug sie im Fluge zurück in ihr Reich nach Saba.

 

Zwei weitere wichtige Personen wollen wir hier erwähnen. Zuerst Voltaire:

 Voltaire nahm sich vor allem dem Kampf gegen den Dogmatismus und für die Freiheit des Menschen an.

 Besonders scharf griff er das Dogmatische in den Religionen an. Hier sah er die Ursachen der Intoleranz, der Unfreiheit und der Ungerechtigkeit, die Verfolgung und Verfemung erzeuge. Seine Überzeugung gipfelte in dem Ausspruch: „Ecrasez l’infame!“ (Zerschlagt die Infame, d.h. die (Katholische) Kirche).

 Den Großteil der Religionen sah Voltaire als reinen Aberglauben, die er zugunsten einer „vernünftigen“ Religion, die die öffentliche Moral fördere, ersetzt sehen wünschte.

Er schrieb, dass sich aus der Schöpfung ergebe, dass Gott sei.

Jedoch seien seine Attribute nicht erkennbar. Daher könne es darüber auch keine Dogmen geben. Hier sehen wir wiederum, dass sich Teile essenische und sufistischem Gedankengut bis in die Neuzeit erhalten haben.

 Voltaire kreierte eine deistische, aufklärerische Gottesauffassung, nach der Gott der Schöpfer der natürlichen Ordnung sei, aber nicht mehr in diese Ordnung eingreife.

Voltaire vollzog jedoch einen geistigen Bruch zwischen Aufklärung und antiken Mysterien. Er lehnte generell alle Bereiche des Mystizismus und der Metaphysik ab: „Wir sollten ans Ende fast aller Kapitel über Metaphysik die zwei Buchstaben setzen (...) N.L. non liquet, es ist nicht klar.“

Im bewussten Gegensatz zur Auffassung der antiken und mittelalterlichen Mysterienbünde schrieb er, dass der Mensch keine angeborenen Ideen habe, die vor aller Erfahrung in ihm seien. Ideen könnten ausschließlich durch äußere oder innere Sinneswahrnehmung aufgenommen werden. Die innere Sinneswahrnehmung beschränkte er auf innere Bewusstseinsvorgänge und Lust (im Sinne von Muße). Locke sah durch die Beschränkung der Ideen auch eine Begrenzung für das Wissen. Es könne jeweilig niemals weiter reichen als die Ideen des jeweiligen Menschen. Man könne nur zwischen Übereinstimmung bzw. Nichtübereinstimmung von Ideen und Wissen unterscheiden. Dies widerspricht definitiv der Auffassung der antiken Mysterienkulte, die das Wissen über Gott, die Naturzusammenhänge und die Selbsterkenntnis in jedem Menschen angelegt und ihre Aufgabe darin sehen, dem Suchenden einen Schlüssel zur Erkenntnis der Zusammenhänge in die Hand zu geben.

 

 

D Freimaurerei ab dem 19. Jahrhundert

 

Im 19. Jahrhundert hatten die Freimaurer eine überragende Bedeutung auf die Entwicklung der Dinge und die Werte der Zeit.

Bis auf wenige Ausnahmen sind alle hier genannten Männer UND Frauen in Freimaurerschriften oder zugänglichen Mitgliedslisten der Logen aufgeführt. 

Freimaurer sind Eklektiker.

Eklektiker sind diejenigen, die weder auf ein eigen geschaffenes, noch auf ein oder einem einheitlichem Prinzip ruhenden philosophisches oder religiöses System setzen, noch sich einem einzelnen Philosophen oder Religion anschließen.

Das Freimaurertum hat bis in frühe Zeiten reichende Wurzeln.

Freimaurerei schöpft aus mystischen Quellen und bezieht starke Kraft aus dem Humanismus und der Aufklärung.

Freimaurer bekennen sich zum Humanismus, dem Freiheitsrecht und achten die Kraft des Verstandes.

Schließlich ist es eine Tatsache, dass die bedeutenden Freiheitsbewegungen des 19. Jahrhunderts

die amerikanische Revolution von 1776-83

die französische Revolution von 1789

der südamerikanische Befreiungskampf gegen die spanische Kolonialherrschaft seit 1800

die deutsche Revolution von 1848

der italienische Freiheitskampf seit 1815

von Freimaurern geführt oder initiiert wurden. Georges Jacques Danton, Comte de Mirabeau, Giuseppe Garibaldi, Simon de Bolivar, Friedrich Hecker, Robert Blum, Friedrich Wilhelm von Steuben, George Washington, Benjamin Franklin, Thomas Jefferson, Carl Schurz, Talleyrand - alle gehörten Logen an. Sie standen verschieden zu Themen ihrer Zeit aber immer auf der Seite der Freiheit, stets für Reformen und Wandel,

Sie mischten sich ein!

Zu ihnen gehörte auch Germaine de Stael und Clara Schumann.

Die bekannte französische Schriftstellerin Germaine de Stael war Mitglied der Pariser Loge „Neuf Soeurs“, die den Jubelruf „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ geprägt hat. Ihr Geliebter Talleyrand war ebenfalls Mitglied dieser Loge und der spätere französische Außenminister.

Ihre Freundin Clara Schumann gehörte wie ihr Mann Robert einer Freimaurerloge an. Der gemischten Loge vom „Davidsbund.“

Jeder hier kennt ihr Bild, jeder hatte dieses fast täglich ihr Bild in den Händen auf dem „guten alten 100 Mark Schein“.

Wir beschreiben im folgenden das 19. Jahrhundert und dann die philosophischen Wurzeln der Zeit des deutschen Idealismus, die Romantik insbesondere.

Im 19. Jahrhundert, dem letzten europäisch - abendländischen Zeitalter haben die Wissenschaften eine gewaltige, ungeahnte Steigung genommen. Wenige Beispiele aus ganz langen Listen:

die Polarisierung des Lichts (Malus)

das Ohmsche Gesetz (Ohm)

die Röntgenstrahlen die Quanten-Theorie (Max Planck)

Heisenberg schafft die Mikrophysik

Liebig die Agrochemie

Äthernarkose, Elektromotor, Dynamo, Viertaktmotor, Luftschiff, Schreibtelegraf, das Telefon, Schnellpresse durch Koenig und Bauer,

Fotografie, Dynamit, Eisenbeton,

nur die Schallplatte kam erst später

In dieser Zeit ist alles getragen von einem Bewusstsein der Berechenbarkeit aller Dinge und dem Zielen auf reine exakte Feststellungen und Erforschung von Tatsachen (Positivismus) und dem Drang von der Theorie zu praktischen Anwendung (Pragmatismus).

Das technische Jahrhundert förderte die materialistische Einstellung, Fortschrittsgläubigkeit und Nützlichkeitsdenken (Utilitarismus).

Dem herrschenden Glauben an Fortschritt und alleiniger Erklärung der Dinge durch die Naturwissenschaften entstand ein Relativismus der allgemeine ethische Werte leugnet und das Erkennen abhängig macht vom Stand der Forschung oder der geschichtlichen Situation Historismus genannt.

Das 19. Jahrhundert ist geprägt von Revolutionen:

 

Politischen

Die neue Staatsidee verwirklicht sich zuerst in Nordamerika, setzt sich seit der französischen Revolution in Europa durch und entwickelt hier im Kampf gegen die alten Mächte bzw. gegen die Herrschaft Napoleons das politische Nationalbewusstsein.

 

Wirtschaftlich-industriellen

Die wirtschaftliche, industrielle Revolution überwindet bisherige Produktionsmethoden durch Massenproduktion und verändert das Leben vollständig.

 

So war das Leben der Menschen dieser Zeit geprägt von ständigem Wandel. Erst gegen Ende des Jahrhunderts machte sich etwas mehr eine Berechenbarkeit der Zukunft des einzelnen Menschen breit.

 

Sie erlebten:  

 

Die Bildung der USA, ein Land voll Verheißung und grenzenloser Zukunft seit 1776

Die französische Revolution 1789

Die Revolutionskriege Frankreichs und Napoleonischen Kriege gegen alle anderen Mächte Europas 1789-1815

Die Auflösung des deutschen Reichs durch Napoleon und die Säkularisierung der Kirchen bzw. des Kirchenguts 1803-06

Die Gründung des Rheinbundes 1806

Der Zusammenbruch Preußens, das sich abgekehrt hatte von Politik und Gesinnung Friedrich’s des Großen

Die vernichtende Niederlage Preußens bei Jena und Auerstedt 1806

Gründung der Burschenschaften und Entstehung eines eigenen Nationalgefühls.

Innere Umgestaltung Deutschlands und Preußens.

Die große Heeresreform-Scharnhorst, Gneisenau, Grolmann.

Die große Bildungsreform - Wilhelm von Humboldt.

Die Erhebung Preußens (Gen. Yorck) 1813

Die deutschen Befreiungskriege gegen Napoleon 1813-15

Die Völkerschlacht bei Leipzig 1813

Der Wiener Kongress 1815

Die Gründung des Deutsche Bundes 1815

Die Gründung des Deutschen Zollvereins

Vormärz und Revolution 1848.

Preußens neue Ära nach der Ernennung Bismarcks zum Ministerpräsidenten

1870/71 Krieg mit Frankreich

Die Gründung des zweiten deutschen Kaiserreiches 1871

 

Die Kultur war der Nährboden für das Entstehen eines deutschen Nationalgefühls.

 

Beim Entstehen der in vieler Beziehung glänzenden Epoche des Deutschen Idealismus spielt die Theorie Kants ein tragende Rolle und dessen Grundlehre ist der Schlüssel:

 

Nicht die Dinge an sich sind erfassbar, die Dinge sind nur als Erscheinung fassbar.

 

Der Philosoph Immanuel Kant war ein Maurer ohne Schurz.

 

Johann Gottlieb Fichte, Friedrich Wilhelm Schelling allesamt Freimaurer, sie sind die Begründer des deutschen Idealismus.

Idealismus war die Antwort und stellte den Gegensatz zum Materialismus dar, wollte das Streben nach Verwirklichung von ethischen oder ästhetischen Idealen, eine durch Ideale bestimmte Lebensführung und Weltanschauung.

 

überzeugt, dass alle Dinge, insbesondere die Materiellen durch Nichtmaterielle(ideelles, geistiges, psychisches) zur Existenz gebracht worden sind oder werden und deshalb von einem ideellen Prinzip dem absoluten Geist abgeleitet sind.

 

Im Naturalismus wird der Mensch als biologisch auf Trieberfüllung ausgelegtes Wesen begriffen, das den materiellen Bedingungen seiner Existenz unterworfen ist.

 

Der Idealismus betont die freie schöpferische Selbstentfaltung des Menschen, die in der Unabhängigkeit des Geistes von den äußeren Bedingungen wurzelt. Der Ausgleich zwischen Individuum und dem Weltganzen wird im Idealismus angestrebt durch Auflösung der Widersprüche des Lebens in einer universellen Harmonie allen Seins.

 

Keiner der Weltanschauungen bzw. Religionen ist im Besitz der Wahrheit, jede zeigt nur einen Aspekt. Die Weltanschauungen sind gegründet in der Natur des Universums und dem Verhältnis des endlich auffassenden Geistes. So drückt jede dieser Philosophien und Religionen in unseren Denkgrenzen, eine Seite des Universums aus.

 

Jede ist hierin wahr. - Jede aber ist einseitig. Es sei den Menschen versagt diese Seiten zusammen zu schauen.

 

Das reine Licht der Wahrheit ist nur in verschieden gebrochenem Strahl für uns zu erblicken.

 

Das griff zurück auf die alte Lehre von der Lichtmetaphysik, der Lehre vom Ursprung des Lichts außerhalb unser Wahrnehmungswelt

 

Bonaventura lehrte, das zu vollkommener geistiger Erkenntnis außer der menschlichen Erkenntniskraft noch eine besondere Erleuchtung durch ein göttliches-geistiges Licht gehört, diese Illuminatentheorie bildete auch die Grundlage des im 17. Jahrhundert bekannt werdenden Illuminatenordens, im Duden als Form der heute bekannten Freimaurerorden genannt.

 

Das philosophische Lexikon von 1821 in Leipzig erschienen, nennt unter “Illuminatenorden” - Orden und Bünde die sich auf Metaphysik berufen und heute Freimaurerbünde genannt werden.

Mit dem berühmten, sehr früh gescheiterten, politisch orientierten „Illuminatenorden“ des Ingolstädter Professors Adam Weisshaupt hat dies nichts zu tun!

 

Robert Schumann hat sich wie später auch Brahms jahrelang damit beschäftigt Bonaventurische Gedanken in Musik zu übertragen. 

 

Die gemischte Geheimloge „Davidsbündler“ arbeitete in Burg Liebstadt eine Loge im Bauch der Burg südlich von Dresden.

 

Der deutsche Idealismus ist Basis für das Entstehen der Romantik. Bildhaft ausgedrückt ist die Romantik der kulturelle Ast am Baum des Idealismus.

 

Romantik bezeichnet ein Verhalten, das von Gefühl und Phantasie bestimmt ist. Es ist ein Epochenbegriff für eine geistige bzw. künstlerische Bewegung in Europa und besonders in Deutschland. Sie ist gekennzeichnet von dominierender Lyrik, jedoch auch von den erzählenden Formen wie Ballade und Versepos. Die frühen Begründer Novalis, A. W. Schlegel, L. Tieck, F. W. Schelling, Achim von Arnim, Clemens v. Brentano, Johann von Eichendorff, Hölderlin, Friedrich D.E. Scheiermacher, Heinrich v. Kleist, Joseph Görres, Ernst Moritz von Arndt, Friedrich Ludwig Jahn, Albert von Chamisso, Peter Cornelius, Friedrich Creuzer, Caspar David Friederich, Jakob und Wilhelm Grimm –

 

Wie gesagt, wir zählen nur Freimaurer namentlich auf.

 

In Distanz zu der reinen Form von Rationalismus aus der Aufklärung und in Ablehnung des (unnatürlichen) Klassizismus wandten diese sich unter der Morgensonne des deutschen Nationalgefühls auch der Sammlung und Bearbeitung von volkstümlicher Literatur und Musik zu.

 

Die Romantik versuchte alle geistigen und literarischen Strömungen aufzunehmen und sie umzuformen. So integrierte sie Philosophie und Religion zu einem neuen Ganzen, sie versuchte das Vernünftige, das Rationale mit dem Unbewußten, die dem Menschen nicht ohne weiteres zugängliche seelische Bereiche zu erschließen.

 

Die Romantik wirkte auf die gesamte literarische und geistige Produktion des 19. Jahrhunderts.

 

Im Zeitalter der Romantik und des Biedermeier verließen in Deutschland nach der gescheiterten Revolution von 1848/49 viele Freimaurer das Land.

 

In nicht allen deutschen Staaten war die Freimaurerei gerne gesehen oder sogar erlaubt, da Freimaurer wie Schurz, Hecker und Blum aktiv an der Revolution beteiligt waren. Selbst wenn die Freimaurerei zugelassen war, unterstellte sie sich in den meisten Fällen dem Schutz des jeweils regierenden Fürsten, der häufig selbst Mitglied und damit automatisch Großmeister oder nicht Mitglied und dafür Protektor der jeweiligen Großloge wurde.

 

Die französische Revolution verschaffte zunächst gemischten Clubs und Vereinigungen einen neuen Aufschwung. Sie nahmen sich der politischen und gesellschaftlichen Themen von Männern und Frauen an. Die Emanzipationstendenzen der Frauen mündeten sogar in feministische Kampfparolen. Die ehemalige Kurtisane und Schauspielerin Olympe de Gouges wurde die erste Frauenrechtlerin Europas und brachte nach 1789 Gedankengut unter das Volk, das das patriarchalische System anzweifelt. Die bürgerliche Revolution machte diesen Bestrebungen bereits 1793 ein Ende. Das bürgerliche Ideal von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit galt eben nur für Auserwählte – für die Männer. In dem Maße, in dem Frauen gezwungenermaßen wieder in das gesellschaftspolitische Schweigen zurücksanken, verschwanden auch die gemischten Orden und Freimaurerlogen in der Versenkung. „Die meisten Frauen wählten wieder den sanften Weg, die Veränderung ihrer Situation in kleinen Schritten...“ (Marcard).

 

Die Kölner Urkunde

 

Als Delegierte in dieser Kölner Zusammenkunft der Freimaurer werden u.a. der Reformator Philipp Melanchton und der römisch-katholische Erzbischof von Köln Herrmann von und zu Wied per Unterschrift auf der Urkunde genannt. Melanchton war ein enger Freund Martin Luthers, einer der tatkräftigsten Unterstützer der Reformation und jeglicher wissenschaftlicher Aufklärung seines Zeitalters.

 

Herrmann von und zu Wied wurde wiederholt durch die Inquisition der Ketzerei und der Begünstigung derselben beschuldigt und schließlich 1546 als Erzbischof abgesetzt.

 

Angesichts des Erfolges der Reformation in Deutschland wäre es wohl zu auffällig gewesen, einen Erzbischof öffentlich zu verbrennen und damit zum Märtyrer zu machen.

 

Herrmann von und zu Wied gab der Kölner Freimaurerversammlung dahingehend Deckung, da er sie in seinem Palast stattfinden lies und zeitgleich ein Provinzialkonzil der katholischen Kirche einberief, das die schlechten Sitten der Geistlichen behandelte.

 

Dies macht umso deutlicher, dass keine Bauhütte häretischen Orden Unterschlupft geben konnte, sondern nur die Gunst hoher kirchlicher und weltlicher Fürsten.

 

Auch Martin Luther überlebte die frühen Wirren der Reformation nur als Gast des sächsischen Kurfürsten auf der Wartburg zu Eisenach!

 

Die Kölner Urkunde ist bemerkenswert, da sie belegt, dass es während des Mittelalters eine Fortsetzung der bereits erwähnten Johannisbruderschaften oder Cofraterien gegeben hat, die sich im 15. Jahrhundert in „Freimaurer“ umbenannten.

 

Ferner belegt die Urkunde, dass sich die Freimaurerei nicht aus den operativen Bauhütten des Mittelalters entwickelt hat, sondern als symbolische Freimaurerei aus völlig anderen Quellen.

 

Die Kölner Urkunde beginnt mit der rituellen Formel „ad majorem gloriam dei omnipotentis“ (Zur höheren Ehre des Allmächtigen Gottes).

 

Diese Anrede korrespondiert mit der heute üblichen Anrufung in den Freimaurerlogen: „In Ehrfurcht vor dem großen Baumeister des Weltalls“ und nimmt Bezug auf die pantheistischen, deistischen Gottes-vorstellungen, die in allen Mysterienbünden und Religionen zu finden sind, die wir bisher kennen gelernt haben.

 

Die Urkunde gibt weiterhin Auskunft darüber, dass die Freimaurerei dieser Zeit durch Logen in den größten Städten Europas (London, Edinburgh, Wien, Amsterdam, Paris, Lyon, Frankfurt/Main, Hamburg, Antwerpen, Rotterdam, Madrid, Venedig, Gent, Königsberg, Brüssel, Danzig, Middelburg, Bremen und Köln) organisatorisch miteinander verbunden war.

 

Sie fährt fort, in dem sie feststellt, dass „die Gesellschaft oder der Orden der Freimaurer oder der dem Dienste des Johannes ergebnen (Sic!) Brüder leitet seine Abstammung weder von den Tempelrittern her noch von   anderen Orden geistlicher oder weltlicher Ritter (...) noch hat er mit ihnen unmittelbar oder durch irgendein Zwischenband auch nur die geringste Gemeinschaft.

 

Er ist älter als alle Ritterorden dieser Art und war sowohl in Palästina und Griechenland wie in dem einen oder anderen Teile des Römischen Reiches schon vor den heiligen Kriegen und Zeiten der Wanderung der oben erwähnten Ritter nach Palästina vorhanden.“

 

Der freimaurerische Autor Poselger, 1837 Großmeister der „Großen Nationalen Mutterloge Zu den drei Weltkugeln, hielt diese Geschichte nicht für stichhaltig.

 

In seinem Brief aus dem gleichen Jahr an niederländische Freimaurer, die die Echtheit der Kölner Urkunde untersuchten, führte er auf die Frage, ob es nicht auffallend sei, dass sich die Freimaurer vom Templerorden feierlich lossagen, aus: „Nein!

 

Im Gegentheil (sic!)müßten sie es thun (sic!), um jeden entfernten Schein, als wollten sie als solche, die mit dem Templerorden in irgend einer Verbindung gestanden hätten, Ansprüche auf deren ehemaligen Güter machen, zu verhüten. So etwas wäre nicht allein Thorheit (sic!), sondern Staatsverrath (sic!) gewesen.“

 

Angesichts der Vehemenz, mit der Inquisitoren wie Bernado Gui angebliche und erkannte Ketzer verfolgten und auf die Scheiterhaufen brachten, erscheint Poselgers Standpunkt mehr als gerechtfertigt.

 

Ein anderer Hinweis, dass sehr wohl die von Stephan Harding als geistigem Vater des Tempelordens/Confraterie erstellte Esoterik Grundlage für die Rituale der in der Urkunde erwähnten Freimaurerei ist, findet sich in dem Hinweis, dass auch nach „Art und Weise der Schottländer“ (mos scotorum) gearbeitet werden könne.

 

Daraus haben einige Freimaurerforscher den Schluss gezogen, dass die Kölner Urkunde eine Fälschung sei. Denn die Schottischen Freimaurergrade (gradus scotorum) sind in der Tat erst im 18. Jahrhundert entstanden. Dies ist aber mit mos scotorum nicht gemeint; es bezeichnet allein das Schottische Ritual, das auf die keltisch-christlich-gnostische Kirche der Kuldäer/culdei zurückgeht. Stephan Harding war in die Rituale der Culdei eingeweiht.

 

Die Kölner Urkunde gibt auch Auskunft über das Streben der Mitglieder. Sie betont, dass es die Aufgabe der Freimaurerei sei, die ethischen Grundsätze der christlichen Religion „besser und unbefleckt zu bewahren“ und sich ihnen so zu widmen, „dass mehr und mehr das wahre Licht aus der Finsternis hervorgehe.“

 

Ein unseres Erachtens deutlicher Hinweis auf den Kampf der Freimaurer gegen kirchliche und weltliche Dogmen.

 

Der Orden sieht seine Aufgabe auch darin, die Wissensbasis der Menschheit durch „mathematische, Astronomische und andere Wissenschaften“ zu verbreitern. Die Erkenntnisse werden den Strahlen eines „flammenden Lichts“ gleichgesetzt, dass zu allen Brüdern und „auch in die profane Welt getragen und verbreitet werden“ soll. Alle Menschen sollen wir Brüder und Angehörige geliebt und geschätzt werden. Menschenliebe, Toleranz und Brüderlichkeit, wie sie heute noch von Freimaurern gefordert werden.

 

Bei der weiteren Lektüre der Urkundeninhalte fällt auf, dass die beschriebenen Verhaltensregeln mit denjenigen der Konzilsberichten von 1189-1326 über die Co-fraterien identisch sind:

 

Es wird festgestellt, dass sich alle Mitglieder zur Verschwiegenheit, zum Schutz des Ordens und zur gegenseitigen Unterstützung verpflichten müssen. Die Mysterien dürfen nur demjenigen preisgegeben werden, der sich durch spezielle Erkennungszeichen und –Worte als Freimaurer zu erkennen geben kann. Das Johannisfest wird als bedeutendster Festtag gefeiert. Logenvorsteher und Ordensobere werden gewählt.

 

Die Kölner Urkunde gibt darüber hinaus Auskunft, dass sich der Name „Freimaurer“ erst seit dem Jahr 1440 eingebürgert habe, als die Bruderschaft in Valenciennes/Flandern Krankenhäuser finanziert und miterbaut habe. Vorher sei sie – man vergleiche dies mit den Konzilsberichten – als Johannisbruderschaft oder Cofraterie bezeichnet worden.

 

Einige Freimaurerforscher bemängeln, dass die Kölner Urkunde nichts über die Bauhütten des Mittelalters aussage und deshalb nicht echt sei.

 

Dazu ist zu sagen, dass sich die Bauhütten des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation erst im Jahr 1459 in Regensburg zu einer Brüderschaft zusammenschlossen und eine allgemeine Gesellschaft der Steinmetzen gründeten.

Die Kölner Urkunde hat weder mit der Gründung der Baugesellschaft noch mit den so genannten „Straßburger Ordnungen“ der Bauhütten irgendetwas gemeinsam. Die Straßburger Ordnungen betreffen auch die Bauarbeiter, während die Kölner Urkunde als ältere, geistige und symbolische Freimaurerei nicht darauf beziehen kann.

 

In Schottland beispielsweise wurde das Amt des Generalaufsehers und Hauptbauleiters erst 1539 geschaffen. Die Bauhütten wurden dadurch zu organisierte und reglementierten Berufsverbände mit schriftlich niedergelegten Vorschriften.

 

Die Haupt-Bauhütten wurden zu Territoriallogen mit dem alleinigen Recht, neue, reguläre Bauhütten oder Logen einzurichten.

 

Zwei Neuheiten fallen auf:

 

Während die Dokumente der „Feuertaufe“ noch Juden, Christen und Moslems in die Bruderschaft zulassen, weist die Kölner Urkunde darauf hin, dass bei aller Toleranz gegenüber anderen Religionen nur Christen aufgenommen werden. Dazu werden keine näheren Auskünfte erteilt.

 

Des Weiteren ist im Urkundentext nur noch von Brüdern die Rede. Bedeutet dies, dass nur noch Männer aufgenommen wurden?

 

Es kann dies bedeuten, muss es aber nicht.

 

Im England werden noch heute alle Freimaurer als „Brüder“ bezeichnet, gleichgültig ob es sich dabei um Männer oder Frauen handelt.

 

Die Mitglieder der englischen Frauengroßloge, die ja ausschließlich aus Frauen besteht, reden sich rituell untereinander ebenfalls nur als „Brethren“ (Brüder) an.

 

Durch die groß angelegten Hexenverfolgungen des Mittelalters und durch das Aufkommen der Syphilis wurde die gesellschaftliche Stellung der Frau stark gemindert.

 

Das Zeitalter des Minnegesangs hat die Frau als Vorbild der Weisheit stilisiert. Die Hexenverfolgung stigmatisierte die Frau als Werkzeug des Teufels.

 

Denunziationen waren an der Tagesordnung. Es ist daher anzunehmen, dass sich die Cofraterien, d.h. die seit 1440 als Freimaurer bezeichnet werden, durch den späteren Ausschluss der Frauen der Möglichkeit dieser Denunziation entzogen haben.

 

Wie wir herausgearbeitet haben, wurden die Cofraterien seit 1135 von Adligen, reichen Bürgern und Klerikern gebildet. Das bedeutet, dass die Cofraterien nur Leute aufnahmen, die aufgrund ihrer Bildung, ihres Wohlstandes oder ihrer politischen Macht den Erhalt der Confraterie gewährleisten konnten.

 

Die Bildung wurde vor dem Aufkommen der Universitäten ausschließlich in Kloster- oder Domschulen vermittelt. Klöster und Dome beherbergten in der Regel auch die einzigen Bibliotheken der Christenheit.

 

Das Entstehen der Universitäten aber insbesondere die Reformation wandelte diese Situation dramatisch. Die protestantischen Landesfürsten bzw. die englische und schottische gentry (Landadel) profitierten von der Säkularisierung des kirchlichen Besitzes.

 

Riesige Ländereien der aufgelösten Klöster sowie das angesammelte Bibliophile Wissen der Menschheit fielen in die Hände des Landadels. In Schottland betrug das Jahreseinkommen der katholischen Kirche das Zehnfache des Einkommens der schottischen Krone!

 

Das antike, gnostische und hermetische Wissen, das in den Bibliotheken von den klerikalen Anhängern der Confraterie gehütet worden war, fand eine neue Heimat. Die ehemaligen Kleriker waren nunmehr von Adligen abhängig.

 

Einige Autoren vermuten, dass Kleriker mit ihren wissenschaftlichen, bautechnischen und gnostischen Kenntnissen Zugang zu den Bauhütten der Steinmetze gefunden hätten. Das Geheimwissen habe das Interesse von Nicht-Steinmetzen auf sich gezogen. So sei der Übergang der Geheimlehre und die langsame Wandlung der operativen Logen in spekulative Logen vollzogen worden.

 

In der Tat ist dies eine verlockende, scheinbar elegante These. Als Beispiel für diese These wird angeführt, dass der zweite Ehemann der schottischen Königin Maria Stuart, Graf Bothwell, einer der reichsten schottischen Edelmänner und Protestant, von seinen politischen Gegnern beschuldigt wurde, seine Frau mit Hilfe der Magie verzaubert zu haben! Graf Bothwell war Mitglied einer Loge, ein   „gentleman Mason.“

 

Nun, wie wir schon beim Prozess gegen die Templer gesehen haben, fußen solcherlei Anklagen generell nicht auf wahren Hintergründen, sondern auf Absichten, die erkennen lassen, dass der Gegner öffentlich als Ketzer denunziert werden soll.

 

Wir bemerken ferner, dass nicht die Loge beschuldigt wurde, magische Rituale zu feiern, sondern dass sich das Gerücht ausschließlich auf Bothwell bezieht. Die Loge wird damit überhaupt nicht in Zusammenhang gebracht.

 

Die Mitgliedschaft eines reichen Fürsten in einer Handwerkergesellschaft hat vor allem auf den britischen Inseln die Absicht, dieser Gesellschaft durch den Namen des Fürsten und seine Huld Nimbus und Schutz zu verschaffen.

 

Daher sagt die Mitgliedschaft eines Fürsten, der der Magie beschuldigt wurde und Mitglied einer Loge ist, rein gar nichts darüber aus, dass sich in dieser Loge geheime Wissenschaften etabliert hätten.

 

Genauso wenig, wie davon auszugehen ist, dass der Herzog von Northumberland, der Mitglied der dortigen Metzgerinnung wurde, eine Einweihung in rituelle Schlachtungen erhielt – obwohl der antike Mysterienbund des Mithras das Christentum maßgeblich beeinflusst hat und rituelle Schlachtungen von Stieren kennt.

 

Nein, im Gegenteil: Es ist eher davon auszugehen, dass die adligen Unterstützer mit der Zeit erkannten, das sich das von ihnen abhängige System der Bauhütten dazu nutzen ließ, das Geheimwissen und umstrittene Wissenschaftler aufgrund der Pflicht zur Verschwiegenheit und gegenseitigen Beistandes dort vor Verfolgung sicher unterzubringen.

 

Jeder Gelehrte der damaligen Zeit benötigte einen Protektor, der ihn mit Geld und politischen Einfluss vor dem Schuldturm und der Verfolgung schützte.

 

Die Wirren der Reformation lassen deutlich erkennen, dass nicht die Bauhütten oder Maurerlogen dem hermetischen und gnostischen Wissen Schutz bieten konnten.

 

Nur der Schutz durch mächtige Adlige bewahrte die Geheimnisse des spekulativen Bauens, der „königlichen Kunst.“

 

Verdeutlicht wird dieser Umstand durch mehrere Dokumente, die nachweisen, dass im Jahr 1600 John Bothwell, laird (Gutsherr) von Auchinleck Mitglied der Loge von Edinburgh war. Nun ist ein laird nicht einfach nur ein Gutsbesitzer. Ein laird ist ein sehr mächtiger Mann. Er übt als Vertreter der Krone in seiner Person vereint die Polizei- und Gerichtsbarkeit über ein ihm unterstelltes County aus. Er kann sowohl Leute ansiedeln und unterstützen, aber auch Missliebige vertreiben oder gar in die späteren Kolonien deportieren!

 

Auch die 1634 -1640 erwähnten Adligen Lord Alexander, Sir Anthony Alexander, Sir Alexander Strachan und General Alexander Hamilton hatten sicherlich die Hüterfunktionen des Hoch- und Niederadels gegenüber ihren Proteges.

 

Noch deutlicher wird das, wenn wir erfahren, dass der Hochadlige William St. Clair von Roslin im Jahr 1601 vom schottischen König für sich und seine Erben die „Freiheit und Gerichtsbarkeit“ über alle Maurer Schottlands abkaufen sollte. Und dass dies durch die schottischen Territoriallogen der operativen Maurer voll und ganz unterstützt wurde.

 

Mit den Freimaurern des 17. Jahrhunderts fusionierten andere spirituelle Gruppen wie die der Rosenkreuzer.

 

Diese Form der Spiritualität hatte drei Aspekte:

 

Erstens, die Interpretation und Generalreformation der Kosmologie und Wirklichkeitsschau, basierend auf den neusten wissenschaftlichen Erkenntnissen und den Buchstaben und Signaturen des ewigen und einzigen Schöpfergottes in der Natur und im Menschen.

 

Zweitens, in der Initiation, die den Menschen von den kirchlichen Dogmen wegführen und ihn geistig verbessern sollte, wenn er die Welt reformieren und verändern wollte.

 

Drittens, im Ordensgedanken im Sinne von brüderlicher Verbundenheit derjenigen, die die Welt verändern und reformieren wollten.

 

Rosenkreuzer wie Freimaurer verrichteten als Gläubige ohne Kloster, als Priester ohne Zölibat ihre geistigen und karitativen Tätigkeiten.

 

Sie hüteten wie die Mystiker vergangener Kulturen ihr Geheimnis und verständigten sich durch Symbole und Allegorien.

 

Die geistige Verbundenheit untereinander wurde alljährlich im Johannisfest (Freimaurer) bzw. am Pfingstfest (Rosenkreuzer) deutlich.

 

Bekannte Rosenkreuzer waren Jakob Böhme (1575-1624) und Johann Valentin Andreae (1586-1654). Bekannt wurden die Rosenkreuzer im Jahr 1614 durch das zweiteilige Buch „Allgemeine und General Reformation, der gantzen Welt. Beneben der Fama Fraternitatis deß löblichen Ordnes des Rosenkreutzes / an alle Glehrte und Häupter Europe geschrieben.“

 

Die Veröffentlichung stellte keineswegs das Gründungsdatum dieser mystischen Bruderschaft dar. Der Fama nach, soll ein gewisser Christian Rosenkreuz gegen Ende des 14. Jahrhunderts eine Jerusalem unternommen haben und unterwegs in Damaskus und in Fesz in die uralten Weisheiten und Erkenntnisse der Araber eingeweiht worden sein. Ziel sei es (chymische Hochzeit) gewesen, die Kirche zum Urchristentum zurückzuführen und die menschliche Wohlfahrt in Staat und Kirche zu begründen.

 

Die Herkunft der Rosenkreuzer liegt im Dunkel.

 

 

 

 

 

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